Drittes Buch.
Das Geld.
Neuntes Kapitel.
Analyse des Geldwesens an der Hand seiner
Entwicklungsgeschichte.
$ 40. Die Anfänge des Geldwesens.
Die Entstehung des Geldes ist auf das innigste mit der Ent-
wicklung des Tausches verknüpft. Der Tausch selbst ist aber ein ver-
hältnismäßig spätes Ergebnis der wirtschaftlichen Entwicklung. Lange
bevor ein Austausch von Gütern sich als normale Gewohnheit aus-
gebildet hatte, war ein Erwerb von Gütern aus fremden Wirtschaften
in verschiedenen Formen möglich. Wir können an den Raub oder an
die durch Machtstellung irgendwelcher Art erzwungene mehr oder
weniger regelmäßige Abgabe denken. Von direkter Bedeutung für die
Entwicklung des Tausches ist die Gewohnheit Geschenke und Gegen-
geschenke zu geben gewesen!). Es ist nur eine natürliche Forderung,
daß das Gegengeschenk in einem gewissen Verhältnis zum Geschenk
ı) Einen guten Einblick in die Anschauung, die dieser Sitte zugrunde liegt, bietet
das altnordische Gedicht Havamal (in der älteren Edda). Da heißt es u. a.:
Nie fand ich so freigebig
Oder so gastfrei einen Mann,
Daß nicht er nähme, was angeboten,
Oder mit Schätzen seinen
So verschwenderisch,
Daß leidig wäre der Lohn, den er empfinge.
Mit Waffen und Kleidern
Deinen Freund du erfreue,
An dir selbst wird solches ersichtlich.
Mit Gaben und Gegengaben
Wird sie alt, die Freundschaft.