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Niederlanden; sie hat in ihrer anregenden, belehrenden, unter-
stützenden Tätigkeit nicht nur für die Haarlemer, sondern die
allgemeine niederländische Industrie viel Vortreffliches gewirkt‘).
Gegenüber Leiden und Haarlem standdie Textil-
industrie AmsterdamSs zurück. Im Mittelalter war frei-
lich die älteste dortige Handlung der Kramhandel mit Seiden-
und Wollstoffen?), und zum Teil wird dieser von der Amsterdamer
Industrie die Waren bezogen haben. Doch wird bei den älteren
Schriftstellern der Umfang der Amsterdamer Textilindustrie meist
übertrieben. Tatsächlich betrug die jährliche Produktion von Tuch
noch in der Mitte des 16. Jahrhunderts nur etwa 7—9000 Stück?).
Nach 1558 nahm sie ab und gewann erst wieder Bedeutung, als
südniederländische Flüchtlinge auch Amsterdam aufsuchten.
Die Färberei nahm nun ebenfalls zu, besonders als die englischen
Maßregeln gegen die Einfuhr fremder Tuche die Ausfuhr dorthin
unterbanden. Jetzt warf man sich in Amsterdam auf das Färben
und die Zubereitung ungefärbter Tücher; nicht weniger als 80 000
Stück ungefärbten Tuchs kamen im ersten Viertel des 17. Jahr-
hunderts nach Amsterdam; ein großer Teil davon ging, nachdem
er hier gefärbt war, nach England zurück. Später ging ein nicht
geringer Bruchteil der in Amsterdam gefärbten Tuche auf Leidener
Rechnung. Pieter de la Court) beklagt es, daß Amster-
dams Tuchindustrie auf Kosten Leidens zunehme. Diese Industrie
beschränkte sich übrigens nicht auf Tuche, sondern erstreckte sich
auf Bänder, Sammete usw., überhaupt alles, was sich unter dem
Namen ‚‚Draperie‘‘ zusammenfassen ließ. Dazu kam dann die Ver-
fertigung von Leinwand, die sich damals in Amsterdam und Haar-
lem konzentrierte®).
Auch in Rotterdam bestand seit dem 15. Jahrhundert
eine Tuchindustrie, die, wie in Leiden, zünftlerisch ge-
ordnet war; doch, wie es scheint, mit freieren Bestimmungen als
in Leiden, aber ebenfalls mit der Vorschrift, nur englische Wolle
zu verwenden®). Anfang des 16. Jahrhunderts bildete für Rotter-
1) Ebenda, S. 616 ff.
?) DeKoopman, IV, 477.
3 ter Gouw, V, 434%.
4) Welvaren v. Leiden, S.54, 71.
5) Brugmans, Handel en nijverheid, S. 199 ff.
S$) te Lintum ‚ Textielindustrie in Oud Rotterdam, S. 8 ff.