hatten in diesen Handel Amsterdams schon vor der Mitte des Jahrhunderts
sich Mißbräuche eingeschlichen, gegen die sich 1634 der
Plan richtete, der die Bildung eines Kartells vorsah; man wollte
die Preise kontrollieren und die Kredite festen Bestimmungen
unterwerfen!). Für die Bedeutung des Seidenhandels sprach es,
daß in dem 1663 errichteten Commerzcolleg Seidenhändler saßen?).
Es bestand aber damals nicht nur ein Seidenhandel, sondern
schon eine Seidenindustrie. Im Jahre 1632 plante ein
Amsterdamer Seidenweber, Caspar Varlet, seine Übersiedlung
nach Hamburg, um dort die Seidenfabrikation einzuführen?) ;
und bereits 1626 wurde eine Seidenfärbergilde in Amsterdam errichtet‘),
was darauf schließen läßt, daß schon vorher die Seidenfärberei
bestanden hat; tatsächlich blühte Anfang des 17. Jahrhunderts
eine Tuch- und Seidenfärberei, die Charles Six
gehörte, der einer aus St. Omer eingewanderten Familie angehörte®).
Seidenfärber war auch Jacob Hinlopen (1616—1685), der
zugleich eine Handlung nach Spanien betrieb®). Überhaupt war
die Färberei oft mit dem Handel verbunden”).
An dem Bestehen einer Seidenfabrikation, einer Seidenweberei
in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ist jedenfalls nicht zu
zweifeln; schon 1648 verbot Frankreich die Einfuhr von Tüchern
aus Wolle und Seide aus England und Holland?); Rohseide aus
Lyon bildete einen Einfuhrartikel in den Niederlanden. Es ist
deshalb irrig, wenn behauptet worden ist, die Fabrikation von Seidenund
Halbseidenstoffen in Haarlem sei ein von den Refugies
„neueingeführter Industriezweig‘“?). Andererseits hat aber freilich
erst durch die Refugies diese Industrie in Holland festen Fuß ge-1)
Posthumus, Een Kartelovereenkomst, S. 215 ff.
2) Brugmans, Notulen, S. 186.
3) Baasch, Hamb. Seeschiffahrt, S. 363.
% Brugmans, Handel en nijverheid, S. 204f. Ende 1604 beschloß
die Vroedschap, für 120 000 fl. rohe Seide anzukaufen, um die Seidenindustrie
vor Stillstand zu bewahren (de Roever, Weeskamer, S. 57).
5) Elias, Vroedschap, S. 457 f., 1067.
$) Elias, Vroedschap, S. 310.
7) So war Dr. Albert Coenrats z. Burgh ‚„voornaam koopman en
verwer‘“ (Elias, 5S. 327).
8) Berg; 5. 96.
9 Pringsheim, S. 33; schon Wätjen ‚ Niederl. im Mittelmeergebiet,
S. 335 berichtigt jene Ansicht.
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