Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

faßt. In Amsterdam wurde der Herstellung von Lyoner Seidenwaren 
damals seitens der Stadtregierung größte Aufmerksamkeit gewid- 
met. Unter den Amsterdamer Einwanderern finden sich eine ganze 
Reihe solcher, die sich als „‚ouvrier en soie‘‘ bezeichneten!). Nicht 
weniger geschah für diese Industrie in Utrecht; Seiden- und 
Sammetfabriken entstanden hier und machten die ‚‚velours d’Ut- 
recht“ überall bekannt; die dortige 1681 errichtete Seidenfabrik 
und Seidenmühle des Amsterdamer van Mollen war eine 
Sehenswürdigkeit, die noch 1717 Peter der Große in Augen- 
schein nahm?). Nicht weit davon, in Naarden an der Zuiderzee, 
wurde eine Sammetfabrik errichtet). 
Auch in Haarlem wurde durch Refugies die Seiden- 
industrie zur Blüte gebracht. Ende des 17. Jahrhunderts sollen 
dort 20000 Seidenweber gewesen sein, was wohl reichlich über- 
trieben ist!). Insbesondere die Herstellung der leichten Gaze ver- 
pflanzte sich aus der Picardie nach Haarlem, das eine 
der ersten europäischen Fabrikstädtel wurde. 
Im 18. Jahrhundert ging die Haarlemer Seidenindustrie zurück. 
Namentlich hat der Übertritt eines sehr erfahrenen dortigen Seiden- 
arbeiters, Kouwenhoven, den man in Haarlem nicht zu 
fesseln verstanden hatte, in den Dienst des Hauses van der 
Leyen in Krefeld die Haarlemer Industrie geschädigt®). So ging 
die dortige Seidenspinnerei und -weberei langsam zugrunde. An- 
fang des 19. Jahrhunderts gab es in Haarlem nur noch 55 Seiden- 
stühle gegenüber 3000, die früher dort bestanden hatten®). 
Die Seidenindustrie ist unter deninlie- 
derländischen Industrien eine‘ der ersten 
l) van Nierop, Stukken betr. de nijverheid der refugies, II, 187 f. 
2 Berg, S. 208f£; Scheltema, III, 356; sowohl \'Uffenbach, 
III, 698 f., wie Ferner,1S. 399, und. Volkmann, S. 545, endlich Büsch, 
Bemerkungen, S. 70, erwähnen die Seidenmühle; Haller, S. 56, nennt sie 
(1726) eine ‚„Seiden-Machine‘‘. 
3) Berg, 5.209; 
‘Allan, IV, 580. 
5) Allan,/S. 572£ Aus der von van der Leyen 1724: in Krefeld 
angelegten Seidenfärberei wurden doch immer noch kleinere Mengen Seide zum 
Färben nach auswärts (Frankfurt, Köln, Utrecht, Amsterdam) geschickt (Schmo1l- 
ler-Hintze, II, 584): 
$ Nemnich, Ss. 80 Kl. 
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