Full text : Holländische Wirtschaftsgeschichte

war das eifrige Bemühen der Konkurrenz, solche Männer an sich
zu ziehen und mit ihrer Hilfe dann den eigenen Schiffbau zu betreiben.
 Nach Danzig, nach Königsberg und Stralsund zog man
holländische Schiffbauer im 17. und 18. Jahrhundert; selbst in
Hamburg empfahl man 1746 diese Maßnahme, um den eigenen
Schiffbau in die Höhe zu bringen!). Peter der Große konnte
den Schiffbau nur mit holländischen Schiffbauern betreiben. Noch
ehe er Zaandam besucht hatte, ließ er um 1691 von dort Schiffszimmerleute
 kommen, die an der Moskwa Schiffe bauten; nach
der Eroberung von Azof wurde die holländische Schiffbauerei
auch dorthin verpflanzt?). Lange Zeit bestand noch die völlige
Abhängigkeit des russischen Schiffsbaues von den holländischen
Meistern und Arbeitern. Ein Mann wie Witsen ,‚, der als Bürgermeister
 von Amsterdam wie als Schiffbaukundiger und Schiffsbauschriftsteller
 einen guten Namen hinterlassen hat, war Peters
Freund und Günstling?). Nach der Gründung von St. Petersburg
wurde der Schiffbau auch hier aufgenommen*). Diese russischen
Bauten gefielen den Holländern daheim durchaus nicht. Sie sahen
in ihnen für die Zukunft um so mehr eine gefährliche Konkurrenz,
als die Holzbeschaffung den Russen ja sehr viel leichter wurde
als den Holländern®). In späterer Zeit wurde es auch schon schwieriger,
 in Holland Schiffsbaumeister für Rußland anzuwerben, was
vielleicht seinen Grund mit darin hatte, daß es überhaupt in Holland
 an geeigneten Schiffsbaumeistern zu fehlen begann‘®).
Mit der Blüte des Schiffbaus stand natürlich in engem Zusammenhang
 der Umfang des Handels und der Industrie
in den Schiffsbaumaterialien”); so der Holzhandel,
1) Baasch, Schiffbaupolitik, S. 167, 201, 203, 283.
2? van Zuiden, Nieuwe bijdrage tot de kennis v. ‘de holl.-russ. relaties,
S. 285. (1694); Scheltema, II, 59, 118: van Zuiden, Bijdrage usw.
Ss. 123 (1703):
3) Scheltema, II, 66 ff.
2 Scheltema, IV, 59 ff.
5) Am 20. Sept. 1700 berichtete der russische Gesandte im Haag an den
Zaren: die Generalstaaten seien nicht erfreut, daß jener Schiffe in Archangel baue
(Uhlenbeck, S. 63).
8) 1780 schrieb der Gesandte Gallitzin über seine vergeblichen Bemühungen
 in dieser Richtung; ebenso 1784 der Konsul Oldecop in Amsterdam
 (Uhlenbeck, S. 231, 236).
7) Honig, 1, 258.

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