Full text : Holländische Wirtschaftsgeschichte

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An dem Schiffahrtsbetriche der Nieder-Jande
 nahmen sehr viele Plätze des Landes
teil. Allein die hamburgische Schiffahrtsstatistik der ersten Hälfte
des 17. Jahrhunderts weist außer „Holland‘“ 59 niederländische
Häfen auf!). An der Mittelmeerfahrt waren neben Amsterdam
auch Rotterdam, Hoorn, Enkhuizen, Medemblik, Durgerdam, Broeck,
Graft, Oostzaan, Nederveen, Stavoren, Veere, Zuiderwoude, Opperdoes,
 Terschelling beteiligt, wahrscheinlich noch mehr Häfen?2).
Lebhaften Anteil an der Schiffahrt hatten die Zaanlande, und 1651
gab es in Zaandam allein etwa 100 Großschiffer; sie waren oft zugleich
 Großkaufleute. Partenreedereien waren hier stark verbreitet;
jeder vermögende Mann an der Zaan besaß Schiffsanteile, selbst
in Schiffen, die für Amsterdamer Rechnung fuhren?). Eine Schifferbörse
 bestand in Amsterdam seit 1661%).
Begreiflicherweise wurde die niederländische Schiffahrt von
den verschiedenen Waren, deren Beförderung sie dienstbar gemacht
wurde, in sehr ungleichem Umfange benutzt. Wir sehen das namentlich
 bei der Ostseeschiffahrt. Nach einer Äußerung aus dem Jahre
1681 nahm der Holz-, Salz-, Wein- und Getreidehandel etwa 7/;
aller Schiffe in Anspruch®); eine Behauptung, die keineswegs unwahrscheinlich
 ist, denn jene Waren waren damals die wichtigsten
Massenartikel, die der niederländischen Frachtfahrt Beschäftigung
gaben. Eine regelmäßige Auswanderung in die Kolonien von einiger
Bedeutung bestand noch nicht, selbst nicht in die gemäßigte Zone, wie
das Kapland, so daß aus diesem Geschäft die Reederei keinen Gewinn
ziehen konnte®). Gefördert wurde aber die niederländische Schiffahrt
durch ihre billigen Frachten, die sich wieder ermöglichten durch
geringe Mannschaftsziffern und den vorteilhatten Bau ihrer Schiffe”).
_ ı) Baasch, a. a.O., 5. 329£.
2 Wätjen, a a 0 SS! 2371.
Honig, 1, S 258 £ vgl. auch Som bar), Kapitalismus IT, I, S. 290.
4) Scheltema, Beurs van Amsterdam, S. 34. Interessante Einzelheiten
über Schiffsbefrachtungen geben die Dokumente aus dem Ende des 16. Jahrhunderts
bei van Gelder, Zestiende eeuwen vrachtvaart-bescheiden.
°) Vgl. van Dillen, Stukken, S. 89.
®% Busken-Huet, II, 65. Wenn Menne, S. 107 meint, die „„‚überschüssige
 Volkskraft‘“ Hollands sollte in die Kolonien abgelenkt werden, so besaß wohl
schwerlich in älterer Zeit Holland eine solche.
’) Sombart, Kapitalismus, II, ı, S. 321; auch Petty bei Pierson,
S. 106; vgl. ebenda, S. 97.

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