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Abgaben auf eine unerhörte Weise zu. Waren
die Eingangsabgaben im Interesse des Handels zum Teil gering
angesetzt, so waren die Verbrauchsabgaben um so höher und viel-
seitiger!). Sie ruhten auf Kaffee, Tee, Wein, Bier, Branntwein,
Salz, Seife, Kohlen, Torf. Im Verkehr gab es Last- und Waggelder,
sodann Luxussteuern und Wagengelder. Außerdem bestanden Im-
mobilien- und Mobilien-, Erbschafts- und Einkommensteuern,
Steuern auf Zehnten und Verpfändungen?). Nicht zuletzt ist aber
die Grundsteuer (Verponding) zu nennen, die in den Anfang
des 16. Jahrhunderts zurückging. Sodann der Stempel auf
öffentliche _ Urkunden und eine Gewerbesteuer
(Patentrecht). Wer eine Kuh besaß, mußte von ihr vier-
fache Steuer entrichten: vom Tier, von der Weide, von Butter und
Käse, von der Haut?). Man erhöhte und vermehrte lieber diese
auf dem täglichen Verbrauch und Verkehr ruhenden Abgaben, als
daß man den Handel besteuerte. Amsterdam wehrte sich mehrfach
gegen die Erhöhung der Convoygelder, die in erster Linie den Handel
trafen‘). Auch die Kapitalrentensteuer von 12% % und die %%
Leibrentensteuer, die 1602 seitens der Provinz Holland geplant war,
rief den entschiedenen Protest Amsterdams hervor, weil sie den
Kredit der Kaufleute schädige®). Ebenso widersetzte sich Amster-
dam um jene Zeit einer Wiederheraufsetzung des Zinsfußes für
feste Anlagen, namentlich Hypotheken, die schon damals von dem
Amsterdamer Kapital gesucht waren‘). Billiges.-Handels-
und Leih-Kapital, aber durch die Akzise-
und andereImposten verteuerteLebenshal-
tung: das war die wirtschaftliche /Richt-
schnur, nach der die in Amsterdam sitzende
kaufmännische Regierung der Republik ver-
fuhr.
ll Büsch nennt Holland das Land, in dem die Akzise am meisten den
Unterhalt des geringen Mannes verteuere und die Manufakturen unterdrückt habe
(Sämtl. Werke, X, 71).
2?) Metelerkamp, 714:
*) Blok, Rel. Venet., 1S.1172' (1626).
‘) Elias, Regentenpatriciaat, S. 73.
)Ehrenberg, Zeitalter d. Fugger, II, 281, Anm.; van Ravesteyn,
5266 ff,
S van Ravesteyn;, S. 2651.