Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

=. 2 — 
nahm der Kaiser endlich die Zinsenzahlung, und bis Ende 1737 
war diese Tilgung abgeschlossen. 
Noch auf eine dritte Sicherheit suchte Österreich sich im 
18. Jahrhundert in Holland Geld zu verschaffen, obwohl die dor- 
tigen Kapitalisten gegen österreichische Anleihen allmählich sehr 
zurückhaltend wurden. So scheiterte 1710 der Versuch, auf Grund 
der Kontributionen der Fürsten und Stände Schlesiens eine An- 
leihe zu erreichen, an dem schlechten Ruf, den sich die Zahlungs- 
fähigkeit Österreichs in Holland zugezogen hatte!). Erst im fol- 
genden Jahre gelang es, eine solche Anleihe über ı Mill. fl. abzu- 
schließen; zum ersten Male trat hierbei die Republik selbst als 
Gläubiger ein, indem sie die Bürgschaft für 774 450 f!. übernahm; 
zur Kontrolle durfte sie einen Vertreter nach Breslau senden. 
Eine weitere Anleihe auf derselben Grundlage über 2% Mill. fl. 
und zu 8% wurde 1714 abgeschlossen mit dem Amsterdamer Hause 
Clifford?). Der erfolgte Friedensschluß und das steigende Zu- 
trauen der holländischen Kapitalisten in den österreichischen Kredit 
erleichterte den Abschluß. Ebenfalls auf Grund der schlesischen 
Einkünfte erfolgte 1716 eine Anleihe von 2 200 000 fl. wieder zu 
8%; bei dieser Anleihe scheint auch englisches Kapital beteiligt 
gewesen zu sein; der Vermittler war wieder Clifford. Da aber 
die Bedingungen recht drückend waren und außer dem hohen Zins- 
fuß der Ausgabekurs 92% betrug, suchte sich die kaiserliche Re- 
gierung schnell wieder von dieser Verpflichtung zu befreien, zumal 
in den Friedensjahren der Zinsfuß bei den Seemächten beträchtlich 
sank. Eine Konvertierungsanleihe, die man 1723 in Holland unter- 
zubringen suchte, scheiterte aber an dem Einspruch der General- 
staaten. Abermals auf Grund des schlesischen Kontributionsfonds 
wurden 1733 und 1734 in Holland Anleihen zu 6% von insgesamt 
3 Mill. fl. abgeschlossen, ferner 1736 eine Konvertierungsanleihe 
von 3% Mill. fl.?). Da der schlesische Fond nun aber stark be- 
lastet war, wurden 1737 und 1738 zwei in Holland abgeschlossene 
Anleihen auf dem Kontributionsfonds Böhmens begründet; als die 
Generalstaaten ihre Garantie hierzu versagten, begnügte man sich 
)v.Mensi, S. 373 ff. 
7) v. Mensi,. S. 378; Elias, S. 1045 f. 
)v.Mensi, S. 383; die Obligationen wurden in der Amsterdamer Wechsel- 
bank aufbewahrt (van Dillen, Bronnen, S. 371), 
0%
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.