Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

des Kaisers zur öffentlichen Zeichnung; als Pfandsicherung dienten 
die in Amsterdam lagernden und noch weiter aufzufüllenden Queck- 
silbervorräte. Eine letzte Quecksilberanleihe erfolgte 1739 abermals 
zu 5% Über 800 000. fl., wieder mit Deutz*!). Auch Marla 
Theresia benutzte später das Quecksilber als Deckung für 
eine Reihe von Anleihen, die von 1758 ab mit dem Amsterdamer 
Hause Verbruggze &Goll (seit 1778: Goll & Co.) ab- 
geschlossen wurden; die letzte dieser Anleihen (2% Mill. fl.) war 
1784?) ; 1788—1792 folgten drei Anleihen von insgesamt 7% Mill. fl., 
wobei Wiener Bank-Obligationen verpfändet wurden?). 
Nicht viel günstiger verliefen die Kupferanleihen 
Österreichs, die es in Holland auflegte. Die erste dieser Art wurde 
1700 abgeschlossen über 1 050 000 fl. zu 5% mit Kapitalsrück- 
zahlungen in 8 Jahren. Als Spezialhypothek galt das Kupfer aus 
den ungarischen Bergwerken mit der Verpflichtung, bis zur völligen 
Kapitalstilgung jährlich mindestens 4000 Zentner an Deutz, 
der wieder der finanzielle Vermittler war, zu liefern. Zu einer zweiten 
solchen Anleihe über 2 Mill. fl. gaben 1702 die Generalstaaten erst 
nach längerem Zögern ihre Zustimmung; auch hier bestand das 
Kapital in Los- und Leibrenten; die von der ersten Kupferanleihe 
noch rückständigen 810 000 fl. sollten aus dem neuen Darlehens- 
kapital zurückerstattet werden, soweit sie nicht aus dem in Amster- 
dam vorrätigen Kupfer gedeckt wurden*). Die Erfüllung dieser 
Verpflichtungen stellte sich bald als unmöglich heraus; infolge des 
Rakoczy schen Aufstandes blieben sowohl die Kupferlieferungen 
als die Zahlungen aus. Bis Mitte 1712 hatten sich Rückstände an 
Zinsen und Leibrenten in der Höhe von ı o9gı 836 fl. angehäuft; 
Kapitalstilgung hatte, von dem Ableben einiger Leibrentner ab- 
gesehen, überhaupt nicht stattgefunden. Die Gläubiger bestanden 
auf der Kapitalisierung der Zinsausstände; dafür fehlte es aber an 
Mitteln. Doch zögerten die Generalstaaten, den Ausweg, der ihnen 
rechtmäßig zustand, zu beschreiten, nämlich alle Effekten kaiser- 
licher Untertanen mit Beschlag zu belegen. Im Jahre 1717 über- 
ı) v. Mensi, S. 361 ff. 
2) Nach dem Tode von Deutz wurde 1758 Clifford kaiserlicher 
Quecksilber-Faktor in Amsterdam (Elias, S. 882). 
3) Elias, Vroedschap, S. 1051 £. 
42 vi Mensi, S. 368 f. 
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