Full text : Holländische Wirtschaftsgeschichte

— 09 A—
der Römisch-Gesinnten in Amsterdam nur verkündigte mit dem
ausdrücklichen Zusatz, daß die Schöffen die angedrohten Strafen
nach Billigkeit und nach Gelegenheit der Sachen ermäßigen möchten!).
 Zeitweise wurde der politische Einfluß Amsterdams durch
die Statthalter zurückgedrängt; er brach doch immer wieder durch;
in der statthalterlosen Zeit hat ein Mann wie Johan de Witt
schnell erkannt, daß auch der beste Staatsmann ohne die Unterstützung
 Amsterdams in der Politik nichts ausrichten könne?);
und Wilhelm III. hat in seiner Statthalterzeit sich ernstlich bemüht,
 seinen Einfluß in Amsterdam zu behaupten. Das alles
bedeutete aber das Übergewicht kapitalistischer,
 großwirtschaftlicher Bestrebungen in
der Politik. In der Mitte des 17. Jahrhunderts, als die englischen
 Kriege die Republik schwer bedrängten, lag wohl der
Höhepunkt der auf seine Börse gestützten politischen Macht Amsterdams;
 es war die Zeit, wo die Amsterdamer Börse mit der Londoner
City um das Monopol des Welthandels stritt®), wo die Friedenssehnsucht
 Amsterdams ebenso entscheidend wirkte wie seine Kriegslust).
 Die Rolle Amsterdams in den großen Kriegen gegen Ludwig
 XIV. war, wenn auch vielfach von krämerhaften Gesichtspunkten
 bestimmt, doch nicht frei von erhebenden Momenten.
Als die Franzosen 1672 nur wenige Meilen von Amsterdam standen
und die Republik sich am Rande des Zusammenbruchs befand,
war es Amsterdam, das durch seine Standhaftigkeit das Land rettete;
es weigerte sich, unter demütigenden Bedingungen mit Frankreich
Frieden zu schließen®). Das spricht doch dafür, daß hinter
derwirtschaifitlichen Machtnicht nur Börsenmanöver,
 sondern im Notfall auch Mannesmut
 sich verbarg. Während unter der gleichzeitigen Regierung
Wilhelms III. in England der Amsterdamer Einfluß tief sank,
HN Elias, S. 21.
2) Ebenda, S. 144.
3) Ebenda, S. 140; vgl. Cosimo de Medici, IS. 276 f., und sein
Urteil über Amsterdam.
4) Über die Friedenssehnsucht Amsterdams im spanischen Erbfolgekrieg
Blok, Rel. Venet., S. 331, 359. Schon 1694 beklagte sich Wilhelm III. über die
große Sehnsucht Amsterdams nach dem Frieden (van der Heim, III, 72).
Über den Wechsel zwischen Kriegs- und Friedensstimmung Laspeyres, S. 6off.
5) Elias, a. a. ©O., SS 168; Blok, Geschied, v. h. Ned. Volk, V, 280.

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