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wärtigen Politik aber wurde einem Opportunismus gehuldigt, der
nur zu verstehen war, wenn man ihn als durch kommerzielle Interessen
bestimmt ansah. So hoch man in Holland Theorien schätzte,
wenn sie als nutzbringend für die Erreichung gewisser, oft in weiter
Ferne winkender Ziele galten — es sei nur erinnert an Hugo
Grotius und den Grundsatz: frei Schiff, frei Gut —, so sehr
verachtete man sie, wenn man vom Boden der rauhen Wirklichkeit
aus wirtschaftspolitische Entschlüsse zu fassen hatte.
Alswirklich durch alle Zeiten feststehender
Grundsatz Läßt sich nur erkennen das
Bestreben, Antwerpeninseinerohnmäichtigen
Lage zu lassen und jeden Versuch, der darin eine Änderung
herbeiführen wollte, im Keime zu ersticken!). Dieses Streben Amsterdams,
das sich allein die Erbschaft Antwerpens sichern wollte,
führte noch Ende des 16. Jahrhunderts, 1588—1597, zu einem
erbitterten Kampfe zwischen Amsterdam und den auf die Blüte
dieser Stadt eifersüchtigen seeländischen Städten. Diese versuchten
durch einen besonderen Tarıf der Convoyen und Licenten, der
ihren Kaufleuten günstig war, sich das Monopol des Handels nach
den spanischen Niederlanden in die Hände zu spielen, und zwar
auf Kosten Hollands; ein 1591 trotz des Verbotes der Generalstaaten
zwischen Seeland und Brügge abgeschlossener, 1596 erneuerter
Vertrag über die Öffnung des Gat von Sluijs sollte der
kommerziellen Abschließung Antwerpens ein Ende machen. Darüber
kam es fast zu offenen Feindseligkeiten; noch gerade rechtzeitig
gab Seeland nach?). So wäre über die Scheldefrage schon
kurze Zeit nach der Begründung der Union diese beinahe in die
Brüche gegangen, wenn nicht die feste Haltung Amsterdams jene
Frage völlig außerhalb jeder Erörterung gestellt hätte. Auch gegenüber
auswärtigen Wünschen, die Fahrt nach Antwerpen freizugeben,
verhielt man sich ablehnend; als 1604 Jacob I. ein solches Gesuch,
natürlich nur für die Engländer, stellte, lehnten die Generalstaaten
es ab%). Noch viele Jahre später hat Amsterdam den Plan des
l) Vgl. Blok, Rel. Venet., S. 251 (1635); Elias, Regenten-Patriciaat,
S. 111. Die M6moires s. 1. commerce des Hollandois, S. 82: Der Westfälische Frieden
mit Spanien sei für die Holländer nur möglich gewesen unter der Zusicherung der
Sperrung der Schelde, vgl. Laspeyres, S. 61.
2) Elias ,/Schetsen, S.!224 f.
8) Difleree, Geschiedenis,1S: 301.
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