Full text : Holländische Wirtschaftsgeschichte

Mittelpunkt dieses rhein-holländischen Verkehrs war Köln. Was
Hamburg den Holländern für den Elbhandel, was
ihnen Königsberg und Danzig für den Ostseehandel
 waren, das bedeutete für sie im Rheinhandel
Köln. Hier saßen die niederländischen Faktoren und Kommissionäre;
 diese brachten allmählich einen nicht geringen Teil der
Rheinausfuhr in ihre Hände, so die Ausfuhr des Eifeleisens, den
Handel mit rheinischen Tuff- und Mühlsteinen, die direkt von
niederländischen Schiffen aus Andernach geholt wurden‘).
Bekannt ist und braucht hier nicht näher auseinandergesetzt
zu werden, daß der Rheinstrom wie alle anderen deutschen
Flüsse seit dem Mittelalter mit einer großen Anzahl von
Zöllen versehen war, die den Verkehr auf dem Strom schwer
belasteten. Hin und wieder wurden diese Zölle hier ermäßigt, dort
verlegt; im wesentlichen ist bis ins 19. Jahrhundert hieran wenig
verändert worden. Auch die Niederlande waren an diesen Zöllen
beteiligt. Den Beginn ihrer Freiheitsbewegung bezeichneten sie
alsbald durch eine neue Erschwerung des Verkehrs. Hatte schon
Alba in seinem Kampf gegen die Aufständischen allen Handel
nach Holland und Seeland und den Weg ins Reich und an den Rheinstrom
 gesperrt, so führten dann die Vereinigten Provinzen ebenso
wie die Spanier, da jene Sperre sich wirksam doch nicht aufrechterhalten
 ließ, eine Steuer (Lizenten) ein, gegen deren Zahlung man
frei passieren durfte?). Das war die erste Erschwerung des Rheinverkehrs,
 die unter der Republik erfolgte und die in den Rheinlanden
als überaus drückend empfunden wurde?). Diese Transitzölle,
anders lassen sie sich nicht bezeichnen, brachten zwar den Niederlanden
 — denn die Spanier waren bald nicht mehr in der Lage,
hier Abgaben regelmäßig zu erheben — eine gute Einnahme; sie
dienten außerdem dazu, den Verkehr auf dem Rhein nach ihrer
Willkür zu regulieren und die deutschen Kaufleute nach Belieben
vom aktiven Handel auszuschließen. Auch unter dem Namen von
‚„Wegegeldern“‘ wurde der deutsche Rheinhandel bedrückt; so wurdes
 gesamten Ausfuhrhandels betrug ı5 271 687 fl., erst hinter Deutschland kam
England mit 3 497 705 fl. (Dobbelaar, Een statistiek, S. 212.)
) v. Ranke, S. 37, 60 4: 66.
?) Gothein, Geschichtliche Entwicklung, S. 4 f.
3) Haepke, Niederländ. Akten, II, S. 362 (1585):

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