Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

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österreichischen Niederlande, 500—600 Schiffe jährlich; 1717 gingen 
von Bordeaux nach Holland 34075 Tonnen Wein!). Holland 
sandte nach Frankreich viel Käse für Schiffsausrüstungen, ferner 
Messingdraht, Spezereiwaren und Drogen, 
Ohne Zweifel war das Handelsinteresse der Niederlande an 
dem Verkehr mit Frankreich immer noch sehr groß, und es war nicht 
unrichtig, wenn man der Ansicht La Fargues entgegentrat, 
der es für im niederländischen Interesse gelegen hielt, Frankreich im 
Handel und in der Macht möglichst herabzudrücken, da auf Frank- 
reichs Verfall die Blüte der Niederlande beruhe?). Vom volkswirt- 
schaftlichen Standpunkt aus war das sicher ein Irrtum. 
Wurde durch die handelspolitischen Kämpfe mit den skandi- 
navischen Ländern in erster Linie die wirtschaftliche Stellung im 
Ostseegebiet, d. h. einem politisch und ökonomisch durchaus un- 
einheitlichen Länderkomplex, betroffen und handelte es sich hier 
namentlich um den freien Zugang zu jenen Ländern, war andererseits 
das handelspolitische Verhältnis mit Frankreich stark beeinflußt 
von dem rein politischen Machthunger dieses Landes, so berührte 
das Verhältnis zu England weit umfassendere, schwierigere 
Probleme wirtschafts- und machtpolitischer Art, deren Austrag 
schließlich über die Handels- und Seebedeutung der Niederlande 
überhaupt entscheiden sollte. Bis zum Ende des 14. Jahrhunderts 
war der englische Handel fast ganz in fremden Händen, vorzüglich 
in denen der Deutschen und Italiener). Unter König Eduard II. 
vollzog sich ein Wandel; jetzt erschienen, Ende des 14. Jahrhunderts, 
die englischen Tücher auf dem niederländischen Weltmarkt*). 
Im 15. Jahrhundert befestigte sich der englische Tuchstapel in den 
Niederlanden; in Antwerpen konzentrierte sich seit 1444 der eng- 
lische aktive Handel®). Die Merchant Adventurers verdrängten 
die flamische Tuchindustrie mehr und mehr; der durch sie, die Hanse 
und die Italiener vermittelte Handelsverkehr zwischen England 
und Antwerpen wurde Ende des 15. Jahrhunderts sehr bedeutend; 
unter Elisabeth erreichte er den Höhepunkt. Doch zielte die Handels- 
— 1) Malvezin, III, S. 217, 315ff.; Le Beuf, S. 154, 159, 203. 
2) De Koopman, III, S. 16 (1771). 
3) Schanz, Engl. Handelspolitik, I, S. 112 ff. 17218. 
*Schanz, 1/5. zit. 
5) Elias, Voorspel, I, S. 103 if. 
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