Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

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Spanien wegen einer Anleihe von 3 Mill. fl. zu 5°%!). Das war ein- 
sichtigen Leuten, wie dem Finanzagenten Gogel, sehr schmerz- 
lich. Er verurteilte überhaupt die weitgehende Rentenwirtschaft 
der Privatleute und bezweifelte, daß durch die Verzinsung solcher 
Anleihen der nationale Wohlstand vermehrt werde. ‚Der Himmel“, 
so rief er, „behüte jede Gesellschaft von Rentnern vor einem feind- 
lichen Einfall®).‘““ Er hatte nicht Unrecht, wenn er klagte, daß 
überall holländisches Geld verwandt werde für Dinge, die mit den 
Staatsinteressen des Landes nicht vereinbar wären?). 
Tatsächlich stand die wirtschaftliche Erschöpfung einer Fort- 
setzung der früheren Anleihewirtschaft im Wege. Schon in einem 
französischen Berichte vom April 1799 wird es ausgesprochen, daß 
die Zinseinnahme aus im Auslande angelegten Fonds, die früher 
50—60 Mill. fl. im Jahre betragen habe, sich auf höchstens 7—8 
Mill. fl. vermindert habe*). Wenn die damaligen Machthaber 
meinten, aus dem schier unerschöpflichen holländischen Reichtum 
noch große Mittel herausholen zu können, so täuschten sie sich. Im 
Frühjahr 1800, als die Batavische Republik schon unter unerträg- 
lichem Steuerdruck und dem Niedergang der Schiffahrt und des 
Landes seufzte, entsandte Bonaparte den General Mar- 
mont nach Amsterdam, um dort 12 Millionen Livres zu entleihen, 
sei es gegen batavische Reskriptionen, sei es gegen Verpfändung 
der Domänen, sei es gegen Holzschläge. Dieser Versuch mißlang 
jedoch; die Amsterdamer Bankiers hielten unter dem Vorwand, daß 
die großen Anforderungen des Staates ihnen solche Darlehen ver- 
böten, ihre Taschen zu®). 
Daß ein Land, von dem noch 1791 ein Mann, der es wissen 
mußte, der Bankier Ho pe, erklärt hatte, es gäbe nicht mehr als 
') Colenbrander, Gedenkstukken, II, S. 780 ff. 
2). Ebenda, S. 785. — Niebuhr,a.a. O., S. 300 f., rügt die Sorglosigkeit 
der Holländer in der Beteiligung an fremden Anleihen. 
°) Eine Anleihe von 763 000 fl. für den König von Sardinien, die das Haus 
Renouard & Co. 1794 vermittelte, scheint nicht mehr voll zustande gekommen 
zu sein (van Dillen, Bronnen, S. 484, Anm. 2; S: 14809/ff.): 
‘) Colenbrander, Gedenkstukken, HI, S. 47 If 
5) Colenbrander, WS: 148, 308, 310. Gleichzeitig schrieb der preu- 
Bische Gesandte im Haag: „L’&puisement total, du est ce pays-ci, enforce les regens, 
ä continuer de refuser absolument les nouvelles demandes pecuniaires de la France‘ 
(ebenda, III, S. 305). Noch 1806 schrieb Napoleon an seinen Bruder Ludwig, Hol- 
land habe das meiste Geld von Europa (Jorissen, S. 15). 
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