auf dem Weltmarkt nicht mehr konkurrenzfähig. Die Flaggentuchfabrikation,
für die schon 1801 drei Fabriken in Leiden bestanden,
schwankte außerordentlich ; sie litt auch unter der deutschen Konkurrenz!).
Erst Ende des 19. Jahrhunderts zeigte sich in der Textilindustrie
auch Leidens wieder mehr Leben ; ihren wahren Mittelpunkt
hatte diese Industrie aber nicht mehr hier, sondern in Tilburg?).
Die bereits in früherer Zeit in Tilburg und anderen nordbrabantischen
Plätzen blühende Tuchfabrikation?) behauptete auch
weiterhin ihren Stand; in Tilburg wurden 1830: I1 810 Stücke Tuch
aller Art verfertigt im Werte von 929 205 fl., in Eindhoven
gleichzeitig 6000 Stücke. Damals blühte aber auch in Friesland,
Groningen und den östlichen Gebieten die Wollspinnerei und -weberei,
meist als Hausindustrie. Mit der Zunahme der maschinenmäßigen
Herstellung ging jene zurück. In Nordbrabant zählte man aber
1858 noch 135 Wollwebereien; 1873 im ganzen Lande 413, alle
in kleinerem Stile).
Nur in Tilburg entwickelte sich diese Industrie frühzeitig mehr
fabrikmäßig; die jungen Leute erlernten vielfach in Verviers, Aachen
usw. die Herstellung von Fantasiestoffen und führten dıese Fabrikation
dann in Tilburg ein. Wollspinnereien, die nur das Garn
herstellten, gab _ es namentlich in Tilburg, Bolsward, Veenendaal
UuSW.; I810 waren es insgesamt 7, in Leiden bestanden noch immer
einige Sayettespinnereien®). Im Jahre 1870 zählte Tilburg allein
für Wollstoffe 119 Fabriken und 9 Färbereien®). Mangelhaft war
immer noch die Organisation des Wollhandels; die inländische Wollproduktion
war zu gering, um die Industrie zu befriedigen; nur für
die Sayettefabriken wurde die Texelsche Wolle viel benutzt. Man
war im allgemeinen seit langem auf die ausländische Wolle (von
Argentinien, Kap, England) und auf die fremden Wollmärkte, Antwerpen
und London, angewiesen; der Amsterdamer Wollhandel war
stark zurückgegangen. Der Wollmarkt in Veenendaal, auf dem die
') Reimeringer, Leidsche textielnijverheid, S. 133 ff.; Blok, Geschied.
eener holl. Stad., IV, S. 139 ff.
?) Über die Leidener Textilindustrie am Ende des 19. Jahrhunderts Blok,
a. a. 0., IV, S. 150; sie verhielt sich im allgemeinen stationär.
3) Vgl. oben S. 99f.
"“Everwijn DS 315.
©). Sayette: leichter Wollstoff, oft mit etwas Seide in der Kette.
°.Sassen, Een blik Op de nijverheid — der arbeiders te Tilburg, S. 229.
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