Full text : Holländische Wirtschaftsgeschichte

= % —
indem man die Zuckerakzise und den Steuerzuschlag auf Spirituosen
erhöhte; damit sollte der Ausfall der Mahlsteuer teilweise gedeckt
werden. Immerhin bildete die Aufhebung der letzteren grundsätzlich
 einen wichtigen Wendepunkt in der Steuerpolitik des Landes,
zumal jene Aufhebung auch das wirtschaftliche Leben der Gemeinden
 traf, die nun keine Zuschläge mehr von einer Steuer erheben
 durften, die gar nicht mehr bestand, und daher genötigt
waren, zu Kopfsteuern zu greifen.
Von einer Einkommensteuer, die alle kleineren indirekten
Steuern überflüssig gemacht hätte, war schon lange nicht mehr die
Rede; ihre Notwendigkeit war gegenüber der früheren Zeit allerdings
 nicht so dringend; während 1836 das Verhältnis der Steuern
auf unentbehrliche Lebensbedürfnisse zu den direkten Abgaben
wie I00 : I47 stand, war 1856 dies Verhältnis 100 : 220. Auch
nahmen jetzt die Zuschüsse aus den Kolonien zu den Staatseinnahmen
 dauernd zu; von 1849—1861 flossen der Staatskasse dadurch
 rund 309 % Mill. fl. zu. Das ermöglichte eine erhebliche Herabsetzung
 der Staatsschuld, deren Zinsen von 35% Mill. im Jahre
1849 auf 29 Mill. 1861 sanken. Man konnte nun endlich auch die
schon lange geplante Revision des Zolltarifs vornehmen; sie erfolgte
im Jahre 18621); auf die Steuereinnahmen hat diese Tarifreform,
die u. a. die Ausfuhrzölle beseitigte, nur geringen Einfluß gehabt.
Jetzt schien der Zeitpunkt für eine gründliche Steuerreform
gekommen zu sein; die Regierung trat der Frage der Beseitigung
der staatlichen und städtischen Akzisen wieder näher; dabei handelte
es sich im wesentlichen um einen Ausgleich mit den Gemeinden,
denen für den Ausfall an Akzisen andere Einnahmen zugewiesen
werden mußten. Insbesondere wollte aber die Regierung auch die
sehr drückende, ganz nach äußerlichen Merkmalen erhobene Gewerbesteuer
 (Patentrecht) einer Neuregelung unterwerfen;
die etwa 3 Mill. fl., die sie einbrachte, sollten möglichst auf die
ganze Bevölkerung verteilt werden?). Der Steuerplan war aber
1) Vgl. oben S. 449.
*) Schon Gogel hatte 1820 sich sehr absprechend über die Gewerbesteuer
ausgesprochen; sie hindere junge Leute daran, ein Gewerbe zu ergreifen und zwinge
andere, die einen kleinen Nebenerwerb hätten, diesen aufzugeben (Sickenga,
I, 73); diese Steuer war namentlich durch ihre Ungleichmäßigkeit ein Kuriosum;
so zahlte ein mit 3 Gesellen arbeitender Grobschmied in Sneek 5, in Leeuwarden ı2,
in Tilburg 4,50, in s’Hertogenbosch ız2 fl. (ebenda, S. 79).

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