Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

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saat, Dienstboten. In den tief gelegenen Gebieten gab es Wasser-, 
Deich- und Polderlasten, die z. T. recht hoch waren, vielfach die 
Lust zu solchen Unternehmungen raubten und in dem besonders 
dafür in Betracht kommenden Nordholland in den 1730er Jahren 
viele Bauern veranlaßten, ihre Pachtländereien aufzugeben und den 
Eigentümern die Sorge für den schwer belasteten Besitz zu über- 
lassen‘). 
Zuletzt sind noch die geistlichen Zehnten zu er- 
wähnen. Sie kamen infolge der Reformation in andere Hände, 
meist in die der Provinzen. Trotz mannigfacher Bestrebungen 
innerhalb der Bevölkerung, sich ihrer zu entledigen, gelang das 
nicht. 
Das Interesse der Regierung für die Landwirtschaft erschöpfte 
sich nun nicht mit der Erhebung von Steuern, sondern es hatte 
vielfach doch auch einen wirklich wohlwollenden Charakter in dem 
früheren Sinne der polizeilichen Aufsicht und Wohlfahrtspflege. 
Auf diesem Gebiete spielte die Fürsorge für die in 
den Handel kommenden Produkte der!'Land; 
wirtschaft, so Butter, Käse, Krapp, Hopfen, eine Haupt- 
rolle; ihte Verfälschung wurde streng verboten, mehrfach 
unter ausdrücklichem Hinweis auf die Schädigung, die durch solche 
Mißbräuche der Handel erleiden könne. Seltener zeigte sich das 
Bestreben, Mißstände der Landwirtschaft selbst zu bessern oder 
zu verhüten; so wenn die Ausfuhr von Dünger in Friesland 1634 
und in Holland 1645 verboten oder wenn zur Sicherheit der Dünen 
die Ausrottung der Kaninchen empfohlen wurde; in anderen Ge- 
genden, so in der Veluwe, traf man gelegentlich Maßregeln, die 
der Ausbreitung der Sände entgegenwirken sollten*). St! 
Zu allen Bedrückungen, die den Landbau trafen und die 
neben elementaren Ereignissen, wie Mißernten, Viehseuchen, Wasser- 
schäden usw.?) hauptsächlich in Steuerlasten bestanden, kamen 
dann noch die kriegerischen Begebnisse, die be- 
sonders im 17. Jahrhundert die Niederlande schwer heimsuchten, 
Am schlimmsten war nach dem Münsterschen Frieden N- 
l) Blink, Geschiedenis, II, 240 ff. 
2) Blink, Geschiedenis, II, 256 ff. 
3) Über die verschiedenen Überschwemmungen usw. Blink, a. a. O.,, 
S. 269 ff., ebenda S. 274 ff. über die Viehseuchen.
	        
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