Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

Jahrhunderts eifrig an der Heringsfischerei; insbesondere in Wormer 
und Jisp rüstete man Fischerboote von 40 Last und mehr aus; 
zwischen 1670 und 1680 liefen von dort 73—78 Büsen jährlich in 
See, früher wohl noch mehr‘). 
Für die Niederlande bildete schon in älterer Zeit der Hering 
einen sehr bedeutenden Ausfuhrartikel, der nach allen 
Richtungen hin entsandt wurde und überall gute Preise fand?). 
Im Kölner Fischhandel z. B. fiel dem holländischen Hering früh- 
zeitig eine bedeutende Stellung zu. Rheinaufwärts ging er in großen 
Mengen. Die Straßburger sandten Faktoren nach den Nieder- 
landen und kauften dort den Hering ein, was man ihnen nicht ge- 
statten wollte, da man sich die Zufuhr nach dort selbst vorbehielt?). 
Sowohl ins Mittelländische Meer wie nach dem Osten, nach Ham- 
burg und der Ostsee, wurde der Hering in sehr bedeutenden Mengen 
verschifft*). In 67 Jahren zwischen 1588 und 1656 passierten den 
Sund, aus niederländischen Häfen kommend, insgesamt 
464 586 Last Heringe, was durchschnittlich im Jahre 6934 Last 
ausmacht. Die höchste Zahl brachte das Jahr 1602 mit 12 421 Last, 
es folgt 1619 mit 12345 Last®). Natürlich waren das ausschließlich hol- 
ländische Heringe, da andere kaum zur Ausfuhr kamen. Nach Raleigh 
gingen um 1603 jährlich etwa 6000 Last Fische, wohl meist Heringe, 
von den Niederlanden nach Stade, Hamburg, Bremen, Emden‘). 
Die vielen Seekriege in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts 
schädigten natürlich auch die Heringsfischerei und ihren Ertrag. 
Sie bildete ja einen den Feinden willkommenen Angriffspunkt. 
Weder die Allianz mit Frankreich 1662, durch die den Holländern 
die Zusicherung der freien Fischerei gegeben wurde”), noch der kurz- 
lebige Vertrag mit England vom gleichen Jahre haben die Herings- 
' Honig, I., S. 232 ff. Gute Statistiken über die Heringsbüsen und 
Fangergebnisse bei W ä t jen ‚, Statistik der holländischen Heringsfischerei, S. 159 ff. 
?) In Frankreich galt 1577 der beste holländische Hering 24,10, der gesalzene 
Yarmouth-Hering 20,12, der irische Hering 18, der schottische und Küstenhering 
11 Pfund fläm. die Last (Muller, Mare clausum, S. 39 Anm. 6). 
°) Vgl. Kuske, Kölner Fischhandel, S. 280 ff. 
4) Vgl. unten in 8 8. 
5) Nach Bang, Tabeller II. 
° Macpherson, Annals of commerce, II, S. 235; vgl. auch Baasch, 
Hamburgs Seeschiffahrt, S. 410. 
7) Vel. Elzinga, S. 17ıff., 295. 
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