Full text : Holländische Wirtschaftsgeschichte

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wieder, und bis 1562 fand ein dauernder Rückgang statt. Infolge
des Schließens des Stapels von Calais ereignete sich 1533 in Leiden
ein völliger Zusammenbruch der Tuchfabrikation, die zu großer
Arbeitslosigkeit und der Abwanderung zahlreicher Arbeiter führte,
was sich dann besonders fühlbar machte in dem Verluste eines der
besten Absatzgebiete, der Ostseeländer. Die englische Konkurrenz,
die weit billiger arbeitete als die mit hohen Lasten beschwerte
Leidener, verdrängte die letztere mehr und mehr; überdies war die
Leidener Industrie, an die alten technischen Vorschriften gebunden,
nicht imstande, sich dem damals stattfindenden Geschmackswechsel,
 der in der Richtung der Fabrikation leichter Gewebe
sich bewegte, anzupassen!). Selbst im einheimischen Verbrauch
erfolgte ein Rückgang; die jährliche Produktion betrug 1532—1547
nur noch 16 000 Tücher, 1548—1562 aber 7200. Zwar suchte sich
die Leidener Industrie für den Rückgang des Ostseeabsatzes zu
entschädigen durch den Export nach Frankreich und Südeuropa,
was ihr auch zum Teil gelang. Mit dem Fall von Calais, das 1558
den Engländern verloren ging, hörten die alten Beziehungen Leidens
 mit den englischen Stapel-Kaufleuten auf; man bezog nun
den Rohstoff aus Brügge von den Merchant Adventurers?). Doch
ließ sich der Niedergang nicht mehr aufhalten; die schlechten Löhne
trieben viele Weber aus der Stadt und ins Ausland, wo, wie in
Paris und Hamburg, eine neue Konkurrenz entstand?). Einen Ersatz
 fand diese dahinschwindende Industrie in der neu uniernommenen
 Herstellung von Futterstoffen, die 1562 durch eine obrigkeitliche
 Verfügung zur Ausübung innerhalb der Stadt freigegeben
wurde; Baien, Futtertuche, halbleinene gewebte Stoffe durften seitdem
 hier angefertigt werden. Die alte Tuchindustrie verfiel nun
völlig, sowohl infolge der an Güte wie Menge verminderten englischen
Wollzufuhr als auch der Preissteigerung dieses Rohstoffes. Im
Jahre 1573 wurden nur 1000 Stück hergestellt. Viele Arbeiter
gingen zur Häutegerberei über und Leiden drohte eine stille Landstadt
 werden zu sollen. Die alte Tuchmacherei zählte 1602 nur
) Posthumus;,!|Bronnen, 11, S. XIV:
2) Ebenda, S. XV; vgl. auch unten in $ 8.
3) Im Jahre 1573 klagte man in Leiden, daß Kaufleute in Hamburg und
anderen Orten rote Leidener Tücher mit schlechter Farbe schwärzten und dann als
Leidener schwarze Tuche verkauften (Posthumus, II, No. 1225).

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