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rungen technischer Art zog namentlich die Sayen- und Tuch-
fabrikation großen Nutzen, insbesondere für die Appretur, das
Färben, Pressen und Glätten. Dazu dienten Maschinen, die zuerst
durch Menschen, dann durch Pferdekraft getrieben wurden; vorzüg-
lich bei den Walkmühlen ersetzte man jetzt die
Menschenkrafßft durch die Verwertung des W in-
des!). Der billigeren Preise wegen sandte man aber auch viele
Tuche nach Zaandam, wo sich mehrere Walkmühlen befanden.
Am stärksten entwickelte sich in dieser Zeit, bis Mitte des 17. Jahr-
hunderts, die Tuchmacherei; für sie wurde 1639 eine Halle errichtet;
1642 folgte eine Tuchverkaufshalle, 1645 ein Stalhof für Tuche
und andere gewebte Stoffe. Die starke Zunahme der Tuchfabri-
kation, die von 10 805 Stück 1640 auf 20 409 im Jahre 1645 stieg,
machte eine Vergrößerung der Stadt notwendig, um den Arbeits-
kräften Unterkunft zu verschaffen?). Als inländische Mitbewerber
kamen nur Kampen und Amsterdam ernsthaft in Frage, als aus-
Jändische Lüttich?), Limburg, Jülich. Tilburg zeigte wachsenden
Mitbewerb; es betrieb mehr die Herstellung der rohen Tuche, Lei-
den mehr die Tuchbereitung und weitere Appretur. Nicht un-
erheblich war auch die englische und französische Konkurrenz;
Frankreich bemühte sich, Leidener Tuchmacher heranzuziehen.
Endlich galt es auch, die Konkurrenz des platten Landes zu be-
kämpfen, die allerdings hauptsächlich die Appretur betrat‘): Der
Absatz ging meist nach Frankreich, Spanien, Italien, Schweiz,
Deutschland und den ostindischen Kolonien; der beste Abnehmer
war damals Frankreich®).
Ak neue Erscheinung war das Aufkommen
der Großunternehmerum Tuchhandel undın
S. 72 if. ist nicht ganz richtig; vgl. Bl ok, Geschiedenis eener holl. Stad, III,
S. 204 Anm. I.
1 Posthumus, Bronnen, IV, S. X.
2?) Posthumus, Bronnen, IV, SS; XI; Blok aa. O., III, S. 192 f.
3) Nach Renier,‚, Histoire de l’industrie drapiere au pays de Liege, S.39,
nahm in der Mitte des 17. Jahrhunderts die Lütticher Wollindustrie ab, während
die von Verviers zunahm.
4) Die Agitation gegen die Tuchfabrikation auf dem platten Lande in der
zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erwähnt auch Kernkamp, Droogscheer-
ders-Synode, S. 105 ff.
5) Posthumus., Bronnen, IV, S. XV.