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Wurden, mußte diese Regelung schon starkes Befremden erregen,
das aber noch wächst, wenn man hört, daß die 1916 nach Ablauf
der dreijährigen Periode vorgenommene neueste Entscheidung des
Lohnamts trotz der Kriegspreise keine Lohnerhöhung brachte und
die gleichen, weit unter dem deutschen und auch englischen Durchschnitt
stehenden Löhne auch für die Herrenmaßschneiderei festgesetzt
sind. Da die hierfür maßgebenden Umstände während des Krieges
nicht klargestellt werden können, wird man sich eines Urteils hierüber
enthalten müssen.
Jedenfalls, wenn die Lohnsestsetzungen Kritik erloecken, so
nicht deshalb, weil sie zu höh e, sondern weil sie zu n i edrige
Löhne festsetzen. Daß die Grenzen dessen, „was das Gewerbe tragen
kann", in den ersten Enscheidungeu sehr vorsichtig gezogen wurden,
bezeugt der Umstand, daß in keinem Gewerbe .Herabsetzungen nötig
waren, Wohl aber z. B. in der Kettenschmiederei Lohnerhöhungen
von 10 Prozent vorgenommen werden konnten. So bescheiden
uns die Stundenlöhne anmuten, so sind sie doch von vielen Arbeitern
als eine sehr wesentliche Aufbesserung wohltätig empfunden;
so brachte in der Kettenschmiederei selbst der Stundenverdienst von
mir 20 Pfennigen für manche Arbeiterinnen eine Lohnerhöhung
von 100 Prozent. In der Spitzenindnstrie wurde fiir die Hei marbeiterinnen
ein Stücklohntarif angenommen, der einige
Jahve früher von einer Anzahl sozial interessierter Unternehmer
für die Zwischenmeister ausgearbeitet war.
Die von vielen Seiten ausgesprochene Befürchtung, die staatliche
Lohnregelung werde die Initiative des Arbeiters lahmlegen,
hat sich nicht bewahrheitet. Im Gegenteil: die Lohnämter waren
geradezu der Ausgangspunkt einer kräftigen Organisation. Ich
habe schon früher auf diesen greifbarsten Erfolg der englischen Lohnämter
hingewiesen st) und die letzten Nachrichten aus England vor
dem Kriege bestätigen den Eindruck, den ich auf meinen Studienfahrten
int Jahre 1912 empfangen hatte. Die Einbeziehung der
Hohlwarenindustrie ist geradezu auf die Tätigkeit der Organisation
i) Ga übel, Die Heimarbeit. S. 184. „Soziale Praxis", 22. Jahrgang,
Sp. 1401.