Full text : Die Heimarbeit im Kriege

155

destlöhne  als  das  wichtigste  Mittel  zur  Hebung  der  Löhne,  als  das
Prinzip  der  Zukunft  bezeichnet.  Dieses  Urteil  aus  den  Kreisen
der  Arbeiterschaft  heraus,  welche  die  Vorteile  des  Lohnämtergesetzes ­
  selbst  genossen  hatten  oder  an  ihren  Kollegen  beobachten
konnten,  erscheint  äußerst  bedeutungsvoll.  Wäre  das  Gesetz  nur
eine  Scheinhilfe  gewesen  und  in  Praxis  undurchführbar,  so  hätten
wohl  diese  Stellen  als  die  ersten  den  Finger  darauf  gelegt.
Doch  auch  die  Unternehmer  beginnen,  sich  mit  dem  Gesetz  anzufreunden. ­
  Im  letzten  Londoner  Bäckerstreik  haben  die  Meister
die  Unterstellung  unter  das  Lohnämtergesetz  gefordert.  Der  Streik
war  deshalb  ausgebrochen,  weil  eine  Anzahl  von  kleineren  Arbeitgebern ­
  die  tariflichen  Abmachungen  nicht  eingehalten  hatte.  Die
größeren  und  die  gewissenhafteren  Meister  waren  durch  die  unterbietende ­
  Konkurrenz  ihrer  Kollegen  geschädigt  und  durch  deren  Vei>
halten  in  eine  neue  kostspielige  Lohnbewegung  hereingezogen.  Das
ließ  in  ihnen  den  Wunsch  erstehen,  eine  Einrichtung  zu  besitzen,
welche  sicherer  und  billigerer  arbeitete  als  ein  auf  Freiwilligkeit  beruhendes ­
  Tarifamt.  Der  Gesichtspunkt,  daß  Lohnämter  Streiks
verhindern  können,  wurde  in  England  vor  dem  Kriege  viel  erörtert. ­
  Hatten  doch  die  Riesenstveiks  der  letzten  Jahre  der  englische»
Volkswirtschaft  schtueren  Schaden  zugefügt,  sodaß  eine  Möglichkeit,
neue  unheilvolle  Lohnbewegungen  auf  friedlichem  Wege  zu  verhindern, ­
  von  weiten  Kreisen  warm  begrüßt  wurde.  Wie  der  Sekretär
der  Antisweating  Leagne  in  dem  Organ  der  Frauengewerkveveine
feststellt,  ist  seit  Inkrafttreten  der  Lohnämter  auch  die  frühere  Gegnerschaft ­
  der  Unternehmer  in  den  geregelten  Gewerben  gegen  die
Gewerkvereine  stark  vermindert,  wo  nicht  völlig  geschwunden.  „Das
Hauptstreben  der  Gewerkvereine  ist  durchzusetzen,  daß  alle  Unternehmer ­
  die  vorgeschriebenen  Lohnsätze  zahlen.  Das  liegt  aber  nicht
nur  im  Interesse  der  Arbeiter,  sondern  auch  im  Interesse  derjenigen ­
  Unternehmer,  welche  die  Bestimmungen  des  Lohnamtes  geivissenhaft
  einhalten  wollen."
Eine  Reihe  von  üblen  Folgeerscheinungen,  die  man  den  Lohnämtern ­
  prophezeite,  ist  nicht  eingetreten.  Es  ist  keine  wesentliche
Verteuerung  des  Produktes  zu  verzeichnen,  da  die  englischen  Unter'-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.