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Speisefette und -öle.
Selbstverständlich sind alle für den menschlichen Genuß dienenden Öle, auch wenn
sie nur als Speiseöle bezeichnet sind, als verfälscht zu erklären, wenn sie Zusätze von
Harzöl oder Mineral- (Paraffin-) Ölen erfahren haben.
3. Bei frisch gepreßten Speiseölen ist der durchschnittliche Gehalt an freien Fett
säuren im allgemeinen etwas höher als bei den tierischen Fetten. Den niedrigsten Säure
grad hat in der Regel das Baumwollsamenöl, da es meist mit Alkali entsäuert und gereinigt
wird. Der Säuregehalt kann höchstens für die Gütebeurteilung der Speiseöle von Wert
sein, nicht aber, sofern er sich in mäßigen Grenzen bewegt, für die Frage des Ver
dorbenseins.
1. Olivenöl.
a) Bestandteile, Gewinnung und Verfälschungen. Das Olivenöl (Baumöl) wird
aus dem Fruchtfleische des Ölbaumes (Olea europaea L.) durch Auspressen (Speise
öle) und darauffolgendes Ausziehen gewonnen. Die feinsten Sorten heißen Jungfernöl,
Provenceröl und Aixeröl.
Das Olivenöl enthält sehr wechselnde Mengen (2—25 °/ 0 ) fester Fettsäuren,
die neben geringen Mengen Arachinsäure aus Palmitinsäure bestehen. An flüssigen
Fettsäuren sind vorwiegend Ölsäure, daneben aber auch mehr oder minder geringe
Mengen Linolsäure vorhanden. Holde und Stange 1 ) fanden im Olivenöl das
gemischte Glyzerid Oleodimargarin. Der unverseifbare Anteil des Olivenöles enthält
ebenso wie alle anderen Pflanzenfette Phytosterin, doch ist seine Menge nur gering.
Olivenöl trübt sich im allgemeinen bei etwa 2—4° und scheidet bei etwa — 6° ein
festes Produckt („Stearin“) aus.
Das Olivenöl ist vielfachen Verfälschungen mit anderen Pflanzenölen aus
gesetzt; so dienen namentlich Sesamöl, Erdnußöl, Baumwollsamenöl, Rüböl, ferner
auch, aber seltener, trocknende öle wie Mohnöl, Leinöl zur Verfälschung des Oliven
öles und namentlich des sogenannten „Baumöles“ des Handels; vereinzelt ist ein
Zusatz von Mineralöl beobachtet worden. Ebenfalls vereinzelt ist im Handel als
„Malagaöl“ ein mit Grünspan gefärbtes Olivenöl beobachtet worden.
b) Untersuchungsverfahren und Beurteilung. 1. Von allen Untersuchungsver
fahren ist die Bestimmung der Jodzahl das genaueste und zuverlässigste zur
Erkennung der hier in Betracht kommenden Verfälschungsmittel.
Die Jodzahl des reinen Olivenöls schwankt im allgemeinen zwischen 79,5 und
85,0. Da die zur Verfälschung dienenden öle mehr oder minder erheblich höhere
Jodzahlen haben, so zeigen verfälschte Olivenöle auch eine mehr oder minder erhöhte
Jodzahl. Es kommen aber auch unzweifelhaft echte Olivenöle mit Jodzahlen bis
88 vor und ausnahmsweise sind zwei reine öle mit den Jodzahlen 92,8 und 98,67
gefunden worden.
In zweifelhaften Fällen kann die Bestimmung der Jodzahl der flüssigen Fett
säuren gute Dienste leisten, die bei reinen Olivenölen zwischen 92,8—104,2 schwankend
gefunden wurden, während sie bei Erdnußöl 105—129, bei Sosamöl 129—140 und bei
Baumwollsamenöl 142—152 beträgt.
2. Die Art des zur Verfälschung eines fraglichen Olivenöles verwendeten
Öles wird aus den für die einzelnen in Frage kommenden öle kennzeichnenden
(meist Farben-) Reaktionen erkannt.
a) Sesamöl. Mit Sesamöl versetztes Olivenöl gibt die Baudouinsche
Furfurolreaktion (S. 586) und die Soltsiensche Zinnchlorürreaktion (S. 586).
Hierzu ist jedoch zu bemerken, daß auch manche reinen Olivenöle bei der
Baudouinschen Reaktion schwache Färbungen geben. In solchen Fällen empfiehlt sich
J ) Ber. Deutsch, chem. Gesellsch. 1901, 34, 2406.