Full text: Die Entwicklung der deutschen Portland-Zement-Industrie ...

34 Die Entwicklung der deutschen Portland-Zementindustrie usw. 
der Produktion geringer war und ihr Verband ohne Außenseiter 
fest geschlossen bestehen blieb, und daß schließlich ihr Absatz 
gebiet infolge seiner Lage etwas abseits von den übrigen deut 
schen Fabriken von dem allgemeinen wilden Kampfe weniger 
berührt wurde. Es kommt noch hinzu, daß sie wegen der Nähe 
des oberschlesischen Kohlenreviers in bezug auf ihre Versorgung 
mit Brennmaterial besonders günstig gestellt sind. Auch die 
Stettiner Fabriken wurden nicht ganz so stark von der Krisis 
mitgenommen wie die nordwest-mitteldeutschen Werke, auch 
hier wurde die Produktion wenig vermehrt, die Anzahl der 
Aktiengesellschaften blieb gleich, auch sie gehörten dem nord 
west-mitteldeutschen Syndikat nicht an und haben ebenfalls eine 
etwas gesonderte geographische Lage. Die Berliner Fabriken 
standen zwar auch außerhalb des Syndikats, doch ist Berlin 
naturgemäß infolge seiner Lage und seines großen Bedarfes dem 
Konkurrenzkämpfe am meisten ausgesetzt, zu allen Zeiten wurde 
ein Teil der Überproduktion auf den Berliner Markt geworfen. 
Gerade 1901 bildete Berlin den Punkt, an dem sich das nord 
west-mitteldeutsche Syndikat mit den schlesischen und Stettiner 
Fabriken traf und aufs Schärfste kämpfte. 
Die Geschäftslage in Süddeutschland in diesen Jahren war 
von der norddeutschen verschieden. Auch hier war die Pro 
duktion in den Zeiten der Hochkonjunktur durch Gründung 
neuer Fabriken und Erweiterung der alten erheblich vergrößert 
worden — nach Tabelle IV stieg die Zahl der Aktiengesell 
schaften von 1895—1901 von 7 auf 13 — und mit der Ver 
schlechterung der Konjunktur trat auch hier Überproduktion 
ein, die jedoch der süddeutsche Verband durch Produktions 
einschränkung in ihren Wirkungen mildern konnte. So groß 
wie in Nordwest- und Mitteldeutschland war die Überproduktion 
nicht. Da der süddeutsche Verband mit dem nordwest-mittel 
deutschen Syndikat einen Vertrag abgeschlossen hatte, so machte 
sich, so lange dieser bestand, die nordwestdeutsche Überproduktion 
auf dem süddeutschen Markte nicht bemerkbar. Die Preise konnten 
daher in 1900 und 1901 noch auf einer leidlichen Höhe gehalten
	        
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