Full text: Nationalökonomie (Teil 1)

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kapital reichte aus, die Kurse an der Börse in hohem Maße zu be- 
herrschen und in einem Jahre (1855) einen Kursgewinn von 26 Mill, Fres, 
zu erreichen. Daneben machte die Gesellschaft es sich zur Aufgabe, 
wo sich irgend eine Gelegenheit bot, Aktiengesellschaften in das Leben 
zu rufen, auch wo dafür ein Bedürfnis nicht vorlag, nur um Aktien 
zur Spekulation in die Hand zu bekommen und sich einen Gründer- 
gewinn zu verschaffen. So gelang es ihr in mehreren Jahren 1855, 
56, 62, 63, außerordentlich hohe Dividenden (25 % und darüber) zu ver- 
teilen und den Kurs ihrer Aktien in außerordentlicher Weise in die 
Höhe zu treiben. 1866 kam die Gesellschaft indessen in große Ver- 
legenheit und konnte sich nur durch Verdoppelung des Stammkapitals 
aufrecht erhalten, um 1867 doch völlig zusammenzubrechen, wodurch 
lie Aktionäre und ein weiter Kreis, der mit dem Credit mobilier in 
Beziehung stand, außerordentliche Verluste erlitt. Eine ganz ähnliche 
Erscheinung erlebte Frankreich im Jahre 1881 durch den Bankerott 
ler „Union generale“, mit welcher Bontout wenige Jahre im In- und 
Auslande mit bedeutenden Mitteln Gründungen und Börsenspekulationen 
durchgeführt hatte, deren Folgen Zola in seinem „Vargent“ vorzüglich 
dargestellt hat, 
In ähnlicher Weise sind auch in Deutschland und Oesterreich in 
den 60er und Anfang der 70er Jahre große Effektenbanken ins Leben 
gerufen, die noch zum Teil in der Gegenwart eine bedeutende Rolle 
spielen, weil sie mit großer Umsicht und Vorsicht vorgingen und 
ihre Aufgabe darauf konzentrierten, einmal Anleihen von Staaten und 
Gemeinden unterzubringen, dann wirklich nützliche Unternehmungen 
mit ihren Mitteln zu unterstützen, dagegen sich von bloßer Kurs- 
spekulation mit Börsenpapieren fernhielten. Daneben aber sind 
aamentlich Anfang der 70er Jahre eine große Zahl von Aktienbanken 
gegründet, allein für Spekulationszwecke aller Art, zum Teil ohne so- 
lide Fundierung, die nur Geschäfte zu machen vermochten, wenn sie 
zleichfalls unsolide Unternehmungen unterstützten und daher nur eine 
kurze Zeit ihr Dasein fristen konnten, solange die Wogen der 
Spekulation hoch gingen, und zusammenbrachen, sobald die Kon- 
junkturen ungünstiger wurden. 
In Oesterreich ist als Credit mobilier 1855 die k, k. privilegierte 
österreichische Kreditanstalt für Handel und Gewerbe entstanden mit 
60 Millionen Gulden, 1880 die k. k. privilegierte Länderbank mit 
40 Millionen gegründet. In England ist eine große Zahl derartiger 
Spekulationsbanken ins Leben gerufen. Für Deutschland greifen wir Crödit-mobi- 
nur zwei heraus, die eine nachhaltige Bedeutung erlangt haben. Das _ liers in 
sind die Diskontogesellschaft und die Deutsche Bank in Deutschland. 
Berlin. Die erstere ist von dem früheren Finanzminister und dem lang- 
jährigen Chef der preußischen Bank, David Hansemann, schon 
1851 als Kommanditgesellschaft auf Aktien gegründet. Die Geschäfts- 
thätigkeit erstreckt sich nach den Statuten zunächst auf das Diskon- 
tieren von Wechseln und das Depositengeschäft. Auch für jederzeit 
zahlbare Guthaben wurde, nach der ursprünglichen Geschäftsnorm, eine 
Zinsvergütung von 1*/ °%, gewährt. Erst im ‚Jahre 1855 gewann die 
Bank modernen Charakter durch Erhöhung des Aktienkapitals, sowie 
lurch Uebernahme größerer industrieller Unternehmungen und Ankauf 
von Wertpapieren. Im Jahre 1864 bildete sie sich zu einer Emissions- 
9ank aus, indem sie namentlich die österreichische Silberanleihe jenes 
Jahres ühernahm. und von diesem Momente an sich in Verbindung mit
	        
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