Georg Ledebour. “5
Durch die rapide Industriealisierung der Kolonialgebiete wurde außerdem der mono-
polistisch beherrschte Absatzmarkt für die Industrie der kapitalistischen Mutterländer aufs
empfindlichste eingeschnürt. Notgedrungen versuchte daraufhin der Imperialismus, mit allen
Mitteln die industrielle Entwicklung der unterdrückten Länder zu verkrüppeln (Kampf gegen
die Zollautonomie in Indien und China). So wird der Imperialismus in seiner jetzigen Phase
ungemildert zu einem Hemmschuh für die Entwicklung der Produktivkräfte. Er sammelt um
sich alle feudalen und reaktionären Elemente in den abhängigen Ländern, gegen die alle
Elemente, die nicht zu Verrätern am Freiheitskampf werden wollen, sich zum Abwehrkampf
zusammenschließen.
Der Kongreß gegen koloniale Unterdrückung und Imperialismus ist dazu berufen, so-
wohl das Bündnis der um die Niederwerfung des Imperialismus kämpfenden Arbeiter, Bauern,
Mittelschichten und Intellektuellen untereinander, wie auch das umfassendere zwischen diesen
Schichten und der klassenbewußten Arbeiterschaft der ganzen Welt, zu begründen und zu
fördern.
Der Zusammenbruch des Imperialismus hat eingesetzt. Die Arbeiterklasse und die
Massen der unterdrückten Völker sind seine Totengräber.
Die am Kongreß beteiligten Vertreter proletarischer Organisationen erklären:
Unsere Beihilfe darf sich nicht beschränken auf Sympathiekundgebungen für die kolo-
nialen Freiheitskämpfer, noch auf Protestkundgebungen gegen die Gewalttaten der im-
erialistischen Unterdrücker. Sie muß in Massenaktionen gipfeln. Geht ein imperialistischer
Da über zur militärischen Niederzwingung der Freiheitsbewegung eines Kolonialvolkes
oder eines vertragsgemäß in Abhängigkeit gebrachten Volkes, so müssen die Vertreter der
auf dem Boden dieser Resolution stehenden Organisationen die Initiative ergreifen zur Her-
beiführung von Streiks, insbesondere von Transportarbeiterstreiks, zur Verhinderung der
Entsendung von Truppen und Kriegsmaterial nach den zum Abwehrkampf getriebenen
Ländern. Sollten solche Druckmittel nicht das Ziel voll erreichen, so muß das Proletariat
durch einen Massenstreik den Unterdrückerstaat zur Freigebung des unterjochten Volkes
zwingen.
Die Vertreter der kolonialen und abhängigen Völker erklären, daß sie den Kampf gegen
den Imperialismus zu Massenaktionen der Werktätigen ihrer Länder ausgestalten werden.
Ferner erklären sie, daß sie im Falle der bewaffneten Intervention, die von einer bestimm-
ten imperialistischen Macht unternommen wird, diese politisch und ökonomisch boykottieren
und aktiv zugunsten der im Abwehrkampf stehenden Brudernation eingreifen werden. Diese
Verpflichtung gilt in ganz besonderem Maße China gegenüber.
An alle Gegner imperialistischer Unterdrückung und kapitalistischer Ausbeutung er-
geht unser Ruf:
Schließt euch uns an und setzt unsere Forderungen um in die Tat!
Ich wünsche, daß Ihr genau versteht, was es bedeutet, diese Resolution
anzunehmen, nämlich, Ihr verpflichtet solche Organisationen, die mit uns
einverstanden sind, alles zu tun, um einen Transportarbeiterstreik erfolg-
reich zu machen. Es mag sein, daß dies eventuell zu einem Generalstreik
führt — ich spreche nur von einem möglichen Anfang. — Konkret mußte
seinerzeit gewiß ein Generalstreik daraus hervorgehen. Die Transportarbeiter
sind die Pioniere.
Genosse Fimmen, den ich seiner sozialistischen Auffassung und seiner
Tätigkeit wegen hoch schätze, sagt, daß wir von allem Humbug und Tam-
tam. Abstand nehmen müssen. Das sind wirklich wertvolle Worte. Aber ich
befürchte, daß ohne weitere Erklärung diese nur dazu dienen könnten,
unseren Aufruf zur Aktion zu diskretieren. Ich weiß, wie die Presse solche
Sachen kommentiert, und ich bin davon überzeugt, daß sie diesen Worten
eine falsche Bedeutung beimessen wird; vielleicht schon in dieser Zusammen-
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