226 Die Gründung der Liga gegen Imperialismus und für nationale Unabhängigkeit.
Zum selben Thema führt
Albert Fournier (Frankreich),
Mitglied der Kammer,
Folgendes aus:
Di Kongreß geht seinem Ende zu, und nach tagelanger Arbeit, die
bisweilen vom Morgen bis in die Nacht hinein dauerte, hat sich der
Delegierten eine Müdigkeit bemächtigt. Trotz allem empfinden wir eine
große Freude, wenn wir den Erfolg der Organisation sehen, umsomehr,
als Ihr von allen Enden der Welt, unter Benützung aller Transportmittel,
hierhergekommen seid.
Heute sind wir beinahe zweihundert Delegierte. Aber es besteht kein
Zweifel, daß wir täglich neue Delegierte sehen würden, die unter uns zu
sein wünschten, wenn der Kongreß länger dauerte. Es steht fest, daß bei
allen Völkern der Erde das Bedürfnis besteht, sich kennenzulernen und sich
näher zu fühlen, und gerade, weil man dies zu lange verkannt hat, haben
die Kapitalisten und Imperialisten nach ihrem Belieben schalten und walten
können.
Eben sagte ich, daß der Kongreß einem Bedürfnis entspräche, und es ist
schließlich die Weltlage, die den Erfolg des Kongresses bewirkt hat. Man
weiß ganz gut, um was es in der Welt geht, und die an den Wänden hängen-
den Plakate beweisen es. Imperialisten haben sich kleiner, verlorener Ge-
biete bemächtigt, und von dort aus haben sie es fertiggebracht, die Massen
zu unterdrücken. Es klingt paradox, daß verhältnismäßig kleine Staaten,
wie Frankreich, England, Italien und Japan, im Verein mit den Vereinigten
Staaten die ganze Welt beherrschen. Jedoch bestehen starke Widerstände.
die der Krieg noch verschärft hat. Der Krieg von 1914 ist der Ausgangs-
punkt für alle nationalen Bestrebungen aller Völker. Weshalb? Weil die
Kapitalisten des Westens durch den Krieg eingebüßt haben. Sie haben
Menschen und Reichtümer geopfert, und als der Krieg zu Ende war, haben
sie gespürt, daß die Sieger auch Besiegte waren, und daß der Krieg, wie
man ihn früher führte, sich nicht mehr rentiere.
Ich sprach vor einem Augenblick von dem Imperialismus der Yankees
und Englands. Als der Krieg ausbrach, mobilisierten die Mächte auch ihre
Kolonialvölker. Frankreich rief die Nordafrikaner, Indochinesen, die Ein-
geborenen Madagaskars und der Antillen zu Hilfe, und all denen, die es
mit ihren Leibern schützten, sagte man: „Was Ihr macht, ist schön. Ihr
kämpft für Euer Vaterland“, und machte ihnen Versprechungen. Aber
als die Zeit kam, da es galt, diese Versprechungen einzulösen, konnte oder
wollte man dies nicht tun. Was für Frankreich gilt, gilt auch für England.
Verpflichtungen und Versprechungen ist man eingegangen, die man unbe-
dingt hätte halten müssen, aber nicht gehalten hat. Jetzt verlangen alle die-