Der Freiheitskampf des chinesischen Volkes.
deutung liegt darin, daß viele derjenigen, die man „Gefühls-Pazifisten“
nennen könnte, — Menschen, welche im letzten Kriege lieber ins Gefängnis
gingen und für ihre Überzeugung manche Leiden erduldeten anstatt zu
kämpfen, — für die Exekutive stimmten, während viele Gewerkschafts-
führer, die im Kriege gegen Deutschland hoffnungslose Kriegsfreunde
waren, gegen die Exekutive und für die Zurückberufung der Truppen
stimmten. Dieser Meinungsunterschied zwischen den sogenannten Gefühls-
Pazifisten und den Gewerkschaftlern ist im Hinblick auf die augenblickliche
Situation von großer Bedeutung.
Genosse Ledebour sagt: „Wenn Ihr nicht zum Generalstreik aufruft,
erreicht Ihr nichts.“ Wir wissen, daß wir im Augenblick in England keinen
Generalstreik herbeiführen können, nicht einmal einen Transportarbeiterstreik.
Das ist nicht möglich! Aber genau so wesentlich ist es — das kann ich wohl
sagen — daß die konservative Regierung in Anbetracht der ungeheuer
großen Propaganda gegen einen Krieg mit China, welche die Arbeiterschaft
ım ganzen Lande durchgreifend entfaltet, ihren Ton bereits ziemlich
gemäßigt hat. Die Sachlage ist so: die konservative Regierung weiß, daß
sie England nicht für einen Krieg gegen China gewinnen kann. Sie halten
das für eine gefühlsmäßige Beurteilung, aber ich kann Sie auf genau die
gleiche Situation verweisen, in der gerade durch solche Propaganda unter
der Churchill-Regierung ein Krieg gegen Rußland verhindert wurde. Ich
sage nun folgendes: der Transportarbeiterstreik war damals erfolgreich
durch den ungeheuren Druck, den die öffentliche Meinung ausübte. Und
ich weiß — darin stimme ich mit Genosse Ledebour überein —, daß es pin
wirklich wirkungsvolles Mittel sein würde, wenn wir der konservativen Re-
gierung sagen könnten: „Fangt ihr mit China Krieg an, so werden wir
streiken.‘““ Aber ich muß mit der Wirklichkeit rechnen. Wir in England haben
heute einen Generalstreik hinter uns, der durch Faktoren hervorgerufen wurde.
auf welche wir jetzt nicht eingehen können. Aber die Gesinnung durch die
jener Streik in England zum Erfolg wurde — soweit er die Arbeiter be-
traf —, gerade diese Gesinnung, glaube ich, wird jeden ernsten Konflikt mit
China verhindern. Ich glaube, daß die wirkliche ökonomische Grundlage
für einen Frieden in der Solidarität der englischen und chinesischen Ge-
werkschaftler besteht. Es machte auf unsere Textilarbeiter einen ungeheuer
starken Eindruck, daß die Darstellung der Bedingungen in den chinesischen
Fabriken genau derjenigen gleicht, wie wir sie im Anfang des 19. Jahr-
hunderts in Lancashire hatten. Es ist unwahrscheinlich, daß der politische
Begriff des Selbstbestimmungsrechtes stark genug ist, um Kriege zu ver-
hindern. Wenn Mitglieder des Parlamentes oder die Öffentlichkeit Mitleid
fühlen können mit den armen lieben Chinesen, so könnten doch vielleicht
auch manche Mitgefühl für die armen lieben englischen Bankiers aufbringen!
Die Lösung dieses Problems liegt allein in der Verwirklichung der einfachen
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