Full text : Das Flammenzeichen vom Palais Egmont

78 Der nordamerikanische Imperialismus und die von ihm bedrohten Völker,
Die 2. Region, die Region. der sogenannten Republiken von Bolivar, die von Venezuela,
Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien gebildet wird, befindet sich noch im Stadium der
Anleihen und aufgezwungenen Verträge. Der Imperialismus unterstützt hier direkt oder indirekt
 verschiedene Diktatoren, die ihre Länder im Auftrage des amerikanischen Imperialismus
 versklaven.
Die 3. Region wird durch jene Länder gebildet, in denen die wirtschaftlichen Kräfte
bereits eine größere Entwicklung zeigen. Dies ist die Region der La Plata-Republiken und
von Chile. In diesen Ländern hat sich der englische Imperialismus eine große Einflußsphäre
zu erhalten gewußt.
Auch die Entwicklung des Industriekapitals ist hier fortgeschrittener als in anderen
südamerikanischen Ländern.
Die 4. Region wird durch Brasilien gebildet, das ganz besondere wirtschaftliche,
politische und gesellschaftliche Verhältnisse aufweist.
Am Ende des 19. Jahrhunderts änderten die Vereinigten Staaten ihre Politik. Sie bemächtigten
 sich der großen Naturreichtümer Latein-Amerikas, der Rohstoffquellen, der
verschiedenen Produktionsmittel und der Transportwege zu Wasser und zu Land. Gleichzeitig
 legten die Vereinigten Staaten große Kapitalien in den Industrien an. Sie errichteten
überall Filialen ihrer mächtigsten Banken, die den latein-amerikanischen Regierungen Anleihen
 gewährten, deren Bedingungen ihnen die Verpfändung der Souveränität der lateinamerikanischen
 Völker eintrugen. Diese Aktion der wirtschaftlichen Durchdringung verhalf
dem Imperialismus zur politischen Beherrschung der in Betracht kommenden Gebiete.
Cuba zwingt der Imperialismus das Emmienda-Platt-Gesetz und die Diktatur des Generals
Machado auf, der die Führer der Arbeiterbewegung systematisch ausrottet, ihre Organisationen
 auflöst und alle Verfassungsgarantien aufhebt. Porto Rico und die Philippinen
werden durch Militärgouverneure regiert. Die Verträge mit Santo Domingo und Haitı
bringen diese in eine ähnliche Lage wie Cuba. In Zentralamerika hat der Bryan-Chamorro-Vertrag
 verfassungswidrig einen Teil des nicaraguaschen Landes abgetrennt und die Vereinigten
 Staaten unter gleichzeitiger Verletzung der Souveränität von Honduras, Costa Rica
und san Salvador zum Bau eines neuen Kanals ermächtigt. Aber wenn die Vereinigten Staaten
um die politische Kontrolle verschiedener Länder kämpfen mußten, wurde ihnen dies in
anderen Ländern durch die von ihnen unterstützten Diktatoren, die innerpolitisch Großgrundbesitzerinteressen
 darstellten, erspart.
In Peru unterstützen sie Leguia, der alle fortschrittlich gesinnten Elemente verfolgt.
Im gegenwärtigen Konflikt Tacna-Arica waren sie bestrebt, den latenten Konflikt zwischen
den latein-amerikanischen Ländern aufrechtzuerhalten und ihre Einflußsphäre zu erweitern.
Die imperialistische Durchdringung hat durch die Konzentration des Agrarbesitzes
in allen diesen Ländern das Problem der Eingeborenen und der Neger, die die übergroße
Mehrheit der Landbevölkerung ausmachen, noch verschärft.
Als Mittel ihrer imperialistischen Expansion gebrauchten die Vereinigten Staaten die
Pan-amerikanische Union. Die politischen und wissenschaftlichen Kongresse, die von der
Pan-amerikanischen Union einberufen werden, sind nur imperialistische Manöver. Diese
Tatsache muß mit allem Nachdruck den nordamerikanischen Arbeiterorganisationen mitgeteilt
 werden, um eine aktivere und wirkungsvollere Bewegung gegen den imperialistischen
Kapitalismus der Vereinigten Staaten zu organisieren. Nur unter Teilnahme der entscheidenden
 großen Massen des amerikanischen Proletariats kann ein Wirkliches Einvernehmen
der großen produktiven Kräfte der Vereinigten Staaten und Latein-Amerikas zustandegebracht
 werden.
Da die Regierungen unter dem Einfluß des amerikanischen Imperialismus nicht mehr in
der Lage sind, ihre Funktionen durchzuführen, sendet das amerikanische Großkapital
Missionen in die verschiedenen Länder, um die Finanzen, das Unterrichtswesen usw. zu
organisieren. Gegen all diese Manöver kann man die Grundlagen eines anti-imperialistischen
Kampfes in den Arbeiter- und Bauernmassen finden, die, wie in China, durch kollektive
große Bewegungen, Boykotte und Aufstände aller Art eine wirkungsvolle Bekämpfung des
Imperialismus einzuleiten in der Lage sind. Da aber das Problem des Imperialismus mit
dem Problem des Kapitalismus überhaupt identisch ist, ist es notwendig, daß alle fortschrittlichen
 Elemente sich für diesen Kampf interessieren. Die Intellektuellen, Studenten,
die Mittelklasse, die durch die ökonomische und politische Durchdringung des Imperialismus
            
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