102 3. Buch. Die Staatsausgaben
wichtig, doch ist nicht aus den Augen zu verlieren, daß dieselbe
auch ihre Grenzen hat, soll die Erfüllung der staatlichen Aufgaben
nicht gefährdet werden. Ein dankbares Feld für Ersparungen
bieten die sachlichen Ausgaben, wo namentlich ein einheitliches
und streng praktisches Vorgehen große Resultate aufzuweisen ver-
mag. Jedes Organ der Verwaltung sollte die Maxime vor Augen
halten, daß jede überflüssige Ausgabe ein Raub an der Gesamtheit
ist. Namentlich Luxusausgaben, die ja in der schwierigen Lage
der Wirtschaft in der Nachkriegszeit ganz ungerechtfertigt sind,
wie Autos, Festivitäten, Luxusreisen, Separatzüge, Empfänge usw.
müssen unbedingt vermieden werden. Oft aber wird es geraten
sein, selbst an notwendigen Ausgaben zu sparen und dieselben
eventuell auf bessere Zeitläufte zu verschieben. Es kann nicht
genug daran erinnert werden, welche verhängnisvollen Folgen die
Zerrüttung des Staatshaushaltes nach sich hätte ziehen können und
wie langsam auf allen Gebieten Ordnung und Entwicklung wieder-
kehren, seitdem der Staatshaushalt geordnet ist, was aber nur mit
der strengsten Sparsamkeit zu erreichen ist *).
Die in der Vorkriegszeit eingetretene außerordentliche Steigerung
der absoluten Staatsausgaben ist von deren relativer Steigerung zu
unterscheiden, welche von dem Verhältnisse der Ausgaben zu den
Einnahmsquellen des Volkes abhängt. Obwohl wir auch hier die
exakte Basis vermissen, so ist doch aus verschiedenen Symptomen
mit Sicherheit anzunehmen, daß in der jüngsten Periode die wirt-
schaftliche Leistungskraft des Staates in höherem Maße zugenommen
hat als die Staatsausgaben.
Eine bedeutende Erhöhung der Staatsausgaben hat im Leben
der Staaten immer eine große Erregung hervorgerufen. Als in
Frankreich das Budget die Milliarde erreichte, bemächtigte sich
der öffentlichen Meinung eine große Aufregung. Dasselbe geschieht,
als im Jahre 1860 die zweite Milliarde erreicht, 1868 als die dritte
Milliarde erreicht wurde (Horn: Salut au troisieme milliard).
IL Abschnitt.
Ausgaben für das Staatsoberhaupt.
1. Monarchie. In monarchischen Staaten entfällt ein
Teil der Staatsausgaben auf die Deckung der Bedürfnisse des
!) Der englische Schatzkanzler Churchill beklagt sich in seiner Budget-
rede vom 18. April 1925, daß verschiedene Ursachen die Verletzung des Spar-
samkeitsprinzipes zur Folge hatten. (Schanz, Finanzarchiv 1925, 8. 435.)