2 3. Buch. Die Staatsausgaben.
Dem absoluten Steigen der Heereserfordernisse gegenüber muß
noch bemerkt werden, daß nichtsdestoweniger der relative Druck der
Heeresausgaben abgenommen hat, was dem Umstande zuzuschreiben
ist, daß die Einnahmen eine noch größere Steigerung bedeuteten,
dessen günstige Folge, daß der Staat auf die übrigen Staatszwecke
immer größere Summen verwenden kann. So entfielen z. B. in
England von den gesamten Staatsausgaben auf das Heerwesen:
1702 40,6 Prozent
1792 8801
1890 216
In Rußland!) betrugen in Prozenten der Gesamtausgaben die
Heeresausgaben :
1680 50,0 Prozent
1794 46077
1850 420100
1892 30,7 x
In Frankreich betrugen die Heeresausgaben unter dem Kon-
sulat und dem ersten Kaiserreich 506 Millionen Frank, unter der
Restauration 302; 1850: 432, 1880: 879, 1899: 953. Am Anfang
des 19. Jahrhunderts betrugen die Heeresausgaben 50,5 Prozent,
der gesamten Ausgaben; dagegen
1815—830 29,5 Prozent
18831—47 SET
1848—51 2
1852—70 3807
1871—83 26.671
In der ganzen Periode ®) 32.2
In der österreichischen Monarchie betrugen die ordentlichen
Ausgaben für das Heer am Anfang des 19. Jahrhunderts — in
kriegerischer Zeit — 45 Millionen Gulden (50 Prozent der ge-
samten Ausgaben), vor dem Weltkriege 745 Millionen Kronen =
13,5 Prozent.
Im Budget für das Jahr des Unabhängigkeitskrieges in Ungarn
(1849) betrug das Heeresbudget 62,9 Prozent der gesamten Aus-
gaben. .
6. Maß der Ausgaben. Welche finanzielle Opfer für die
Aufgaben der Landesverteidigung gebracht werden sollen und
dürfen, darüber haben sich Staatsmänner in sehr verschiedener
Weise geäußert. Auf der einen Seite finden wir diejenigen, die
Sparsamkeit empfehlen. Colbert schreibt seinem Sohne: „Tenez
pour maxime certaine, que celui qui fait la. guerre a meilleure
7 ') Minzes, Skizzen zur Geschichte des Wirtschaftsstaates in Rußland.
(Zeitschrift für Sozialwissenschaft I S. 740.)
?) Siehe Dietionnaire des finances: Budget.
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