446 Einundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.
Zeitpunkt für geeignet, um loszubrechen: er sandte eine Flotte
in See, ließ Heerhaufen in das schwedische Herzogtum Bremen
eintreten und begann vor allem den Kampf gegen Schweden
selbst von Schonen aus, das damals noch zu Dänemark ge⸗
hörte, und von Norwegen her, das mit dem dänischen Lande
uniert war.
Es war fast zur selben Zeit, da auch im Süden die
Lage für Karl Gustav durch aktives Eingreifen Hsterreichs be⸗
denklicher wurde. Am 2. April war Kaiser Ferdinand III.
gestorben. Am 27. Mai schloß Osterreich mit Polen ein
Bündnis auf wirksame Kriegshilfe; im Hintergrunde stand der
Gedanke einer österreichischen Thronkandidatur bei der nächsten
Erledigung des polnischen Thrones. Mitte Juli griffen die
sterreicher mit Erfolg ein; Ende August mußten die Schweden
ihre letzte große Position im Innern Polens, das von General
Wuürtz hartnäckig verteidigte Krakau, aufgeben.
Blieb dem Schwedenkönig unter diesen Vorgängen und
Aussichten etwas übrig, als selbst den Gedanken auf die Er—
oberung des polnischen Westpreußens fahren zu lassen und sich
der Verteidigung des heimatlichen Bodens hinzugeben, zumal
dabei im günstigen Falle der Erwerb der schonenschen Süd⸗
hälfte Skandinaviens, jenes alten Streitobjektes der Dänen
und Schweden, winkte? Um den Mitsommer verließ er Polen
und stand Ende Juli schon an der Elbe, um den dänischen
Gegner von Süden her. durch einen Einfall ins Holsteinische
zu packen.
Im Verlaufe all dieser jäh wechselnden Vorgänge konnte
sich der Brandenburger Kurfürst wohl besorgt fragen, was denn
nun eigentlich sein Schicksal sein werde. Durfte er sich auch
fürder noch an Schweden binden? Sollte er neutral zu
sein vermögen? Lohnte nicht, wenn es nur auf eine Politik
des Erfolges ankam, am meisten der Übergang zum volnischen
Begner?
Nicht auf einmal, in langen Erwägungen und schweren
diplomatischen Gängen, in mehr als einer Treulosigkeit und
Doppelzüngigkeit, aber mit alledem nur ein Meister der Politik