448 Einundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.
Belts drang er nach Fünen; eine Eisdecke trug ihn auch über
Langeland, Laaland und Falster nach Seeland; gegen Ende
Februar bedrohte er Kopenhagen.
Bestürzt, fast betäubt fügten sich die Dänen so unglaub⸗
lichen Taten, und ein unerwarteter Friede schloß am 27. Februar
1658 in der alten dänischen Krönungsstadt Roeskilde die
märchenhaften Vorgänge. Schweden erhielt von Dänemark
Schonen, Blekinge und Halland, sowie die Insel Bornholm
ausgeliefert; dazu von Norwegen die üppigsten Provinzen,
Bohuslän und Drontheim; ferner errang es im Sund volle
Zollfreiheit, und Dänemark ging die Verpflichtung ein, von
nun ab gemeinsam mit ihm allen feindlichen Flotten den Ein⸗
gang in die Ostsee zu wehren. Es war nicht bloß die Schwächung
Dänemarks; es war der volle Triumph eines schwedischen
Dominium maris baltici: die Ostsee mare clausum unter
schwedischer Kontrolle: das war der Ausdruck der Lage.
Vermochte indes Europa mit seinen starken Handels—
interessen in der Ostsee diese Lösung in ruhigem Zusehen zu
ertragen? Mußten nicht namentlich die großen Seemächte,
die Niederlande und England, alsbald Einspruch erheben?
Und sollten sich nicht auch Polen und das deutsche Reich
regen? — das Reich, das in seinen Nordküsten unmittelbar
in den Kampf hineingezogen worden war, dessen Gebiet der
Schwedenkönig zu nicht geringem Teile in das Willkürspiel
seiner Diplomatie verwickelt hatte?
Im Reiche wollte man wohl sogleich handeln, aber man
handelte langsam. Als am 14. Februar 1688 endlich wenigstens
ein brandenburgisch-österreichisches Offensiv⸗ und Defensiv⸗
bündnis gegen Schweden zustande kam, dem die Bereitwillig⸗
keit Polens, an dem Kampfe weiter teilzunehmen, sekundierte,
schien es zu spät: betäubend fiel wenige Wochen darauf die
Nachricht vom Roeskilder Frieden auf die Gemüter. In den
Niederlanden dagegen wirkte gerade diese Nachricht ganz anders:
jetzt eben sah man sich zum Eingreifen herausgefordert, rüstete als⸗
bald eine Flotte aus und schürte in Kopenhagen gegen Schweden.
Das alles, während England, der stärkste Handelsrival schon der