Deutschland unter den polit. Nachwirkungen des Dreißigjähr. Krieges. 447
seines Zeitalters, hat Friedrich Wilhelm den schwierigen Weg
bis zu den Polen hin passiert, nachdem er den Träger der
bisherigen schwedenfreundlichen Politik, den Grafen Waldeck,
der Führer noch des letzten brandenburgisch-schwedischen Hilfs⸗
kontingentes gewesen war, von der Leitung der diplomatischen
Geschäfte entfernt hatte. Im polnischen Lager landete der Kur—
fürst mit dem Vertrage von Wehlau vom 19. September 1657,
der später durch einen besonders feierlichen Vertrag vom 6. No—
bember 1657 ergänzt wurde, als der Kurfürst seinen neuen
Freund, den Polenkönig, in Bromberg besuchte.
Diese neuen Abmachungen brachten vor allem die An—
erkennung der Souveränität in Preußen nun auch von pol⸗
nischer Seite: und damit das ius supremi dominii in dem
aunmehr östlichsten aller deutschen Länder überhaupt. Es war
eine Errungenschaft, gegen die alle Zugeständnisse, ein Freund⸗
schafts- und Kriegsbündnis mit Polen, die Ruckgabe Ermlands
und einiger anderer Gebietsteile in der Tat zurücktraten: ganz
abgesehen davon, daß die Zession Ermlands durch den Erwerb
Elbings als gegengewogen erachtet werden konnte. Denn jetzt
war der Brandenburger Kurfürst außerhalb der Reichsgrenzen
an einer wichtigen Stelle deutschen Bodens Souverän zu eigenem
Rechte: eine Stellung, die ihn über andere Reichsfürsten hin⸗
weg in eine allgemeine baltische, ja europäische Stellung
hineinhob.
Inzwischen hatte Karl Gustav alles aufgeboten, um den
neuen dänischen Krieg zu glücklichem Ende zu führen. Er
hatte mit Frankreich und England, denen er deutsche Küsten⸗
lande wie herrenloses Gut anbot, verhandelt: vergeblich; um⸗
sonst hatte er auch die Türkei gegen seine südöstlichen Gegner,
Rußland und sterreich, in Bewegung zu setzen gesucht. Um
so mehr leuchtete sein Feldherrngenie — und sein Feldherrn⸗
glück — in Dänemark auf. Er vertrieb die Dänen aus dem
Herzogtum Bremen, er nahm Holstein und Schleswig ein, der
Fall von Fridericia öffnete ihm Jütland. Dann, im Februar des
Jahres 1658, erlaubte ihm ungewöhnliche Kälte einen Winter⸗
feldzug von unerhörter Kühnheit. Über das Eis des Kleinen
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