Full text: Finanzwissenschaft

1. Teil. I. Abschnitt. Das aus der Urproduktion stammende Einkommen. 167 
Im deutschen Reiche wurden in der Nachkriegszeit einzelne 
staatliche Betriebe der Privatwirtschaft überlassen, andererseits 
andere Betriebe verstaatlicht bzw. mit staatlicher Beteiligung 
versehen. 
I. Teil. 
Die privatwirtschaftlichen Erwerbseinkünfte des 
Staates”). 
IL Abschnitt. 
Das aus der Urproduktion stammende Einkommen. 
1. Geschichtliches. Die Geschichte zeigt uns, daß der 
Grundbesitz fast überall eine der ersten Quellen des Staatsein- 
kommens bildete. Viehzucht und Ackerbau waren im Anfang die 
Hauptzweige der Gütererzeugung und auch der Staat gewinnt aus 
denselben sein Einkommen wie jede Einzelwirtschaft. Jahrhunderte 
hindurch, tief hinein bis in die Neuzeit, ist der Staat auf diese 
Einnahmequelle angewiesen, bis die Revolutionierung des wirtschaft- 
lichen Lebens nicht neue Zustände schafft. Die wirtschaftliche 
Tätigkeit des Staates zeigt große Mängel und bietet daher nur 
geringes Einkommen; demgegenüber erhöhen die neuen Verhältnisse 
die Produktivität der Privatwirtschaft. Der Gegensatz wird immer 
empfindlicher und die ungenügende Ausnutzung der Produktiv- 
kräfte wird als öffentliches Übel empfunden. Hierzu kommt das 
Steigen der staatlichen Bedürfnisse, die aus den bisherigen KEin- 
nahmequellen nicht zu befriedigen sind; neue Quellen müssen er- 
öffnet werden, die aber nur dann Erfolg versprechen, wenn die 
Intensität der wirtschaftlichen Produktion durch die rationellsten 
Betriebsweisen erhöht wird. Auch die Konkurrenz des Staates 
beengt die privatwirtschaftliche Tätigkeit; die Einführung des 
konstitutionellen Systems begünstigt jene Einnahmequellen, welche 
unter der unmittelbaren Kontrolle der Volksvertretung stehen. Die 
großen Schwankungen in den Ernteerträgen tragen ein aleatorisches 
Moment in die Staatswirtschaft, welches den Anforderungen des 
') Moll beanstandet, daß die Finanzwissenschaft sich so wenig mit den 
Problemen der Erwerbseinkünfte befaßt und fordert, daß das Problem der Ren- 
tabilität in den Vordergrund gestellt werde (Problem der Finanzwissenschaft 
(Leipzig 1924) S. 75).
	        
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