Full text: Die Entwickelung zum Socialismus

ihre Concurrenten zu vernichten, indem sie für einige Zeit 
ihre Ware unter dem Erstehungspreise auf den Markt 
werfen. Man kennt z. B. die Geschichte jener beiden 
americanischen Eisenbahnlinien, die durch wechselseitige 
Herabsetzung ihrer Tarife den Viehtransport zu monopoli 
sieren suchten. Endlich konnte die eine von ihnen, so 
erzählt der Ingenieur Stevart,*) mit den Tarifen nicht mehr 
herabgehen; da kaufte sie unter der Hand das ganze 
Vieh in dem Gebiete auf und liess es durch ihre Rivalin 
transportieren. 
Aehnlich machte es John D. Rockefeller, einer der 
Petroleumkönige, um sich in den Besitz der Eisenberg 
werke am Oberen See zu setzen. Nachdem er die reichsten 
Lager erworben hatte, wendete er die vollkommensten 
technischen Hilfsmittel an und machte den benachbarten 
Gruben eine furchtbare Concurrenz. Unterlagen diese in 
dem Kampfe, so kaufte er sie, wenn sie ihm reich genug 
schienen, zu billigem Preise auf. „Leisteten sie zu lange 
Widerstand, dann wandte er gegen sie das Mittel des 
underselling, des Unterbietens an; er verkaufte unter 
dem Tagespreise und zwang sie auf diese Weise, ihre 
Preise ebenfalls so herabzusetzen, dass sie sich ruinieren 
mussten; das Verfahren wandte er so lange an, bis ent 
weder der Zusammenbruch oder die freiwillige Unter 
werfung seine Concurrenten niederzwang. Er konnte ohne 
Schwierigkeit mehrere Monate lang, wenn es nötig war, 
bei jeder Tonne Mineral zulegen, er besass den grössten 
Geldbeutel (the longer purse), er wusste, dass derjenige 
seiner Concurrenten eher erschöpft war, als der 
seinige.“ **) 
Mit solchen mehr oder weniger brutalen Mitteln gehen 
die Capitalisten täglich gegen einander vor. 
*) Bulletin de l’Association des ingénieurs sortis de l’Ecole 
de Lièges, 1898, pag. 106. 
**) Paul de Rousiers: Les industries monopolisées aux 
Etats-Unis (Paris, 1898), pag. 188.
	        
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