Full text: Finanzwissenschaft

4. Buch. V. Teil. Die Steuern. 
B. Die Grundprinzipien des Steuersystems. 
I. Abschnitt. 
Allgemeine Bemerkungen. 
1. Allgemeines und Geschichtliches. Jedes Steuer- 
system muß auf prinzipieller Basis beruhen. Auf Grund dieser 
Prinzipien hängt das Steuersystem mit den Forderungen des staat- 
lichen Lebens und namentlich mit denen des Staatshaushaltes zu- 
sammen: diese Prinzipien enthalten auch die Gewähr für die Ver- 
wirklichung der Zwecke des Steuerwesens. 
Die steuerlichen Grundprinzipien entwickeln sich mit der Ent- 
wicklung des Steuerwesens. "Teils bewußt, teils unbewußt kommen 
diese Prinzipien mit der Entwicklung der Wichtigkeit des Steuer- 
wesens zum Ausdruck. Die Begründer der Steuertheorien betonen 
diese Prinzipien mit mehr minderer Klarheit und Bestimmtheit, in 
dem Maße, daß ein gewisser Teil dieser Prinzipien geradezu zum 
Gemeinplatz wird. Bodinus, Vauban, Montesquieu, Ques- 
nay, Turgot bei den Franzosen, Justi, Bielfeld, Strelin 
bei den Deutschen, Verri bei den Italienern, Milles bei den 
Engländern, Saavedra bei den Spaniern und andere stellen ge- 
wisse Prinzipien auf, als allgemeine Postulate des Steuerwesens. 
In einem im Jahre 1745 in Tyrnau von einem ungarischen Jesuiten 
geschriebenen Werke werden folgende Postulate aufgestellt. 1. Den 
im Interesse des allgemeinen Wohles festgesetzten Steuern soll sich 
niemand entziehen; 2. der Souverain soll bei der Besteuerung so 
vorgehen, wie der kluge Wirt, der Milch und _ Wolle nützt, aber 
die Herde beschützt, das Holz benützt, ohne den Wald auszurotten; 
3. im Interesse der Gerechtigkeit soll nicht nur das Bedürfnis in 
Betracht gezogen werden, sondern auch die Verhältnismäßigkeit 
und zwar sowohl in bezug auf die Personen, als in bezug auf die 
Sachen; 4. bei der Steuereinhebung soll auf folgende drei Punkte 
geachtet werden: a) derjenige soll sie vollziehen, der hierzu be- 
rechtigt ist; b) die Steuer soll entsprechend aufgeteilt werden; 
c) die Steuern sollen zu dem Zwecke verwendet werden, zu dessen 
Befriedigung sie auferlegt wurden. 
2. Die Steuerprinzipien Adam Smiths. Obwohl die 
Frage der Stenerprinzipien, wenn auch nur sporadisch, von älteren 
Schriftstellern bereits berührt wird, so wendet sich die Aufmerk- 
samkeit ihr doch erst von dem Momente zu, als Adam Smith in 
seinem Werke in vier sogenannte Kanone die allgemeinen Postulate 
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