D. I. Abschnitt. Direkte und indirekte Steuern. 347
Befriedigung der Staatsbedürfnisse unmöglich wäre, hat nur relativen
Wert. Die Abschaffung der indirekten Steuern würde insolange,
als eine richtigere und höhere Auffassung von den staatsbürgerlichen
Pflichten nicht Platz gegriffen hat, eine Auffassung, welche wenigstens
den großen Teil der mit dem Bestande und der Funktion des
Staates verbundenen Ausgaben zu jenen der für Deckung der aller-
ersten Lebensbedürfnisse bestimmten rechnet, zu einer bedeutenden
Abnahme der Staatseinnahmen führen, überdies aber noch mit der
Gefahr verbunden sein, daß die Ungleichheiten, Unverhältnismäßig-
keiten bei den direkten Steuern noch gesteigert würden. Infolge
des großen Druckes würde der Widerstand der Steuerkräfte wachsen,
und da die Widerstandskraft der verschiedenen Steuerkräfte un-
gleich ist, würden sich in der Verteilung der Steuerlast noch größere
Disparitäten zeigen.
5. Vorteile der indirekten Steuern. Folge der indirekten
Besteuerung ist, daß die Steuer im Preise der Ware verborgen ist,
wonach der Steuerzahler hiervon direkte Kenntnis nicht gewinnt.
Der Staat hypnotisiert gewissermaßen den Steuerzahler, so daß er
die Unannehmlichkeit der Steuer nicht fühlt und es ist ein Vor-
teil, wenn die Operation schon nicht zu vermeiden ist, daß sie
nicht empfunden wird. Sofern dies doch geschieht, wird es zu
größerer Sparsamkeit aneifern, was in kleineren Haushaltungen
um so mehr erfolgen wird, — was besondere Beachtung verdient,
obwohl dies bisher nicht geschah — als die indirekten Steuern
aus dem Haushaltsbudget durch die Hausfrau bestritten werden,
während die direkte Steuer von dem Haushaltungsvorstand, dem
Manne, getragen wird.
In neuerer Zeit kommt der erwähnte Umstand nicht mehr
allgemein zur Geltung, weil sich die geschäftliche Sitte verbreitet,
neben dem Preise der Ware die Steuer selbständig figurieren zu
lassen und zur Verrechnung zu bringen. Diesem Vorgehen ist es
zuzuschreiben, wenn manche die indirekten Steuern in zwei Gruppen
scheiden, die sichtbaren und unsichtbaren indirekten Steuern.
Vorteil der indirekten Steuer ist auch, daß dieselbe in kleinen
Beträgen zum Ausdruck kommt und sich so den Verhältnissen der
kleinen Wirtschaften besser anpaßt; es handelt sich oft bloß um
Pfennige oder deren Bruchteile.
Da die indirekte Steuer an das Objekt, an die Handlung an-
knüpft, so bietet sie auch den Vorteil, daß derselben auch Aus-
länder unterzogen werden können, was bei den direkten Steuern
seine Schwierigkeiten hat.
Infolge. der Bezahlung der indirekten Abgabe im Preise der