n 4. Buch. V. Teil. Die Steuern.
eine Reihe von Steuern neu eingeführt, Einkommensteuer, Wehr-
steuer, Weinsteuer, Baumwoll- und Wollgewebesteuer, Elektrizitäts-
steuer, Totalisatorsteuer. Erhöhungen traten ein bei direkten und
indirekten Steuern, Tabak, Zucker, Bier, Zündhölzchen, bei der
Erbschaftssteuer, beider Fahrkartensteuer, bei Post- und Telegraphen-
gebühren usw.
6. Ergebnisse. Fassen wir das Geschilderte zusammen, so kon-
statieren wir als wichtiges Moment der Kriegsbesteuerung, daß die-
selbe hauptsächlich auf Vermögen, Einkommen und Luxus umgelegt
wurde mit Verschonung der schwächeren Klassen. So entfallen
nach Seligman von den im Kriege eingeführten Steuern 74 Pro-
zent auf Vermögen und Einkommen, 13 Prozent auf Luxus und
ebenfalls 13 Prozent auf den Verkehr. In England ist das Ver-
hältnis noch etwas günstiger. Es ist dies ein charakteristischer
Beweis des Fortschrittes — sagt Seligman —, der in der Richtung
fiskalischer Gerechtigkeit gemacht wurde, ein Resultat der demo-
kratischen Entwicklung der jüngsten Generation.“
7. Kriegsgewinnsteuer (Kriegssteuer). Diese
Steuer ist dem eigentlichen Zwecke nach eine Besteuerung
der infolge der durch den Krieg geschaffenen Konjunkturen
in vielen Produktionszweigen eingetretenen außerordentlichen Ge-
winne. Der ursprüngliche Gedanke weitete sich dann dahin aus,
daß ohne Rücksicht darauf, ob die günstigeren Geschäftsresultate
Folge der Kriegskonjunktur waren oder nicht, jede Zunahme des
Einkommens oder des Vermögens als steuerbar betrachtet wurde
mit der Begründung, daß der Krieg für viele Tausende große Ver-
luste mit sich bringt, jeder also, der während des Krieges nicht
nur unbeschädigt bleibt, sondern sogar seine Lage gebessert hat,
eine besondere Leistungsfähigkeit besitzt und somit mit einer Steuer
belastet werden darf. In seiner äußersten Konsequenz hat man
dann (siehe das Gesetz für das Deutsche Reich), auch noch die-
jenigen als steuerfähiger betrachtet, die während des Krieges Ein-
bußen, aber doch nur in geringem Maße (bis 10 Prozent) erlitten
haben. So sehen wir, daß es sich nicht bloß um die mit dem
Kriege in enger Beziehung stehenden hohen Gewinne der Produ-
zenten, der Händler und namentlich der Vermittler, Preistreiber,
Schieber handelte, sondern überhaupt um die Besteuerung der
während der Kriegsjahre erlangten höheren Einkommen oder Ver-
mögen, wenn auch diese Erhöhung mit dem Kriege in gar keiner
Verbindung stand. Die Steuer war also in der Regel eine außer-
a. a. O. S. 692.
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