I. Abschnitt. Die staatswirtschaftliche Regierung. }
Postens des Finanzministers vollauf den Wert des Vertrauens ge-
fühlt habe, womit sie mich beehrte; ich habe gefühlt, daß sie mir
das Elend ihrer Völker und wenn es erlaubt ist zu sagen, die Sorge
ihrer Person und ihre Autorität geliebt zu machen, anvertraue.
Aber zu gleicher Zeit habe ich die volle Gefahr gefühlt, der ich
mich aussetze. Ich habe vorhergesehen, daß ich allein dastehe, um
gegen Mißbräuche aller Art zu kämpfen, gegen die Anstrengungen
jener, die aus diesen Mißbräuchen Gewinn ziehen; gegen die Menge
von Vorurteilen, die sich jeder Reform entgegensetzen und die ein
so mächtiges Mittel sind in den Händen jener, die an der Ver-
ewigung der Unordnung interessiert sind. Ich werde sogar gegen
die natürliche Güte, gegen die Generosität Ew. Majestät zu kämpfen
haben, sowie jener Personen, die ihr am teuersten sind. Ich werde
gefürchtet und gehaßt sein von dem größten Teile des Hofes, von
allen, die Gunstbezeigungen erwarten. Alle Abweisungen werden
mir zugeschrieben werden; man wird mich als einen harten Mann
darstellen, weil ich von Ew. Majestät fordern werde, daß sie selbst
diejenigen, die sie liebt, nicht bereichern darf auf Kosten der Er-
haltung des Volkes. Das Volk, dem ich mich opfern werde, ist so
leicht zu täuschen, daß ich mir vielleicht jenen Haß zuziehen werde,
selbst durch jene Maßregeln, welche ich ergreifen werde, um es vor
Plackereien zu schützen. Ich werde verleumdet werden und viel-
leicht mit genügendem Anscheine, um das Vertrauen Ew. Majestät
zu verlieren. Ich werde es nicht im geringsten bedauern, einen
Posten zu verlieren, den ich nie angestrebt habe. Ich bin bereit,
denselben in die Hände Ew. Majestät zu legen, sobald ich nicht
mehr hoffen darf, hier nützlich zu sein“!). Wie bald ist all das
wirklich eingetroffen! #
Bemerkenswert sind auch die Außerungen Justis von dem Cha-
rakter und den Eigenschaften eines echten und falschen Kamera-
listen (also in erster Reihe von Finanzministern). Die Eigenschaften
des echten Kameralisten sind folgende: 1. ein echter Kameralist
muß ein rechtschaffener Mann sein; 2. er muß über alle Be-
stechungen und Nebenabsichten erhaben sein; 3. er muß ein Patriot
sein und das gemeinschaftliche Beste lieben; 4. er muß dieses ge-
meinschaftliche Beste dem scheinbaren Besten des Fürsten vor-
ziehen; 5. er muß Leutseligkeit und Menschenliebe besitzen; 6. er
muß eine gewisse Unbiegsamkeit haben, sich durch keinerlei Be-
trachtungen, Vorstellungen und Rücksichten bewegen zu lassen, die
echten Kameralgrundsätze und die Regeln der Gerechtigkeit außer
1) Oeuvres de Turgot, II. Bd. S. 168.
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