Object: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

mit bes. Rücksicht auf die Stadtwirtschaft des deutschen Mittelalters. 147 
nehmen, hat sich schon seit mehr als hundert Jahren die be- 
sondere Aufmerksamkeit der Forscher gerichte. An anderer 
Stelle schildere ich !) die dahin gehörige Literatur. Hier mögen 
einige Urteile aus dem im Jahre 1845 erschienenen gedanken- 
reichen Buch „Das deutsche Staatsleben vor der Revolution“ 
von Cl. Th. Perthes Plat finden?). S. 124: „Die Städte durf- 
ten (im Mittelalter) nicht unter den Landesherren, sondern 
mußten neben ihnen stehen, um unbeschränkt durch die ein- 
seitigen Territorialinteressen sich ihrem eigenen Prinzipe gemäß 
frei entwickeln und ihren besonderen Interessen . . . starke Ver- 
sorgung schaffen zu können . . . Der innere Lebenstrieb der 
Städte war stark genug, umdiese freie Stellung sich zu gewinnen.“ 
S. 128: „Mit reicher Mannigfaltigkeit trieb jede Stadt ihre 
eigentümliche Bedeutung in Lebenszuständen und Verfassung 
hervor . . . Als seit dem Ende des 15. Jahrhunderts sich politische 
Formen .. . zu bilden begannen, welche den mannigfachen 
Äußerungen des Volkslebens einen einheitlichen Ausdruck zu 
geben versuchten, mußte die stolze Unabhängigkeit untergehen, 
in der die Sonderinteressen des Handels und Handwerks wie 
der Landesherren und ritterlichen Gutsherren Geltung besessen 
hatten.“ S. 129: „Jn den Territorien . .. fühlte der Landes- 
herr die Aufgabe, Handel und Handwerk die Pflege zu verschaffen, 
welche früher nur die Städte und ihre Verbindungen hatten 
gewähren können." S. 132: „Die frühere Einseitigkeit des Ter- 
ritoriallebens hatte die Voraussetzung der unabhängigen Städte 
gebildet. .. Die Wurzel ihres Lebens verlor die Nahrung, als in 
den Territorien alle Volksinteressen Aufnahme fanden.“ S. 133: 
„Die Martktrechte, Stapelrechte, Einlagerechte, Bannrechte 
bildeten die wesentliche Grundlage für den gleichmäßigen und 
sicheren Verkehr der früheren Zeit (d. h. des Mittelalters), 
weil und insofern sie rechtliches Anerkenntnis von Verhält- 
nissen waren, die der natürliche Gang des Verkehrs hervor- 
1) S. m. Abhandlung: Die städtische Verwaltung des Mittelalters 
als Vorbild der späteren Territorialverwaltung, H. B.. Bd. 75. 
?) Ich wies darauf schon in meinem Artikel Bürgertum im Hand- 
wörterbuch der Staatswissenschaften 2 (1. Aufl. 1891) 795 hin. 
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