IV. DIE WÄHRUNGEN UND DEVISENNOTIERUNGEN 139
Wertverhältnis steht. Man bezeichnet solche Geldverhältnisse als
Goldkernwährung; sie findet sich, wie erwähnt, in Asien, aber
auch in Süd- und Mittelamerika, wo gleichfalls das Silber seit alters-
her infolge der reichen Silberproduktion als Münzmetall vorherr-
schend ist.
A. Die Francs-Länder,
Die Francswährung ist außerhalb Europas zunächst in Algier,
Tunis, Marokko und in. den anderen afrikanischen Kolonien Frank-
reichs eingeführt; die Bank von Algier!) und die Marokkanische
Staatsbank, die das Recht der Notenhusgabe besitzen, sind nach dem
Vorbilde der Banque de France organisiert und so lange wie diese
von der Einlösungspflicht ihrer Noten enthoben.
Der Plan der Schaffung einer einheitlichen Währung, die in der
lateinischen Münzunion zum Teil verwirklicht worden ist, hat ebenso
wie viele Staaten in Europa seinerzeit auch die meisten Staaten
Mittel- und Zentralamerikas veranlaßt, zur Francswährung überzu-
gehen. Als Münzeinheit wurde zum Teil der Franc, vielfach aber
das Fünffrancsstück aus Silber festgesetzt, weil dieses im Werte einer
Münze nahekam, die seit altersher in fast allen romanischen Län-
dern Amerikas unter dem Namen Peso oder Piaster?) allgemein üb-
liches Zahlungsmittel gewesen ist. Auch die neue Münzeinheit wurde
vielfach als Peso oder Piaster bezeichnet und in 100 .Centavos ein-
geteilt. Mehrere dieser Länder sind im Laufe der Jahre zu den
Vereinigten Staaten von Amerika, auch zu England in enge wirt-
schaftliche Beziehungen getreten, zum Teil in eine gewisse wirtschaft-
liche Abhängigkeit geraten und haben das Geld dieser Gläubiger-
staaten neben dem heimischen Gelde als gesetzliches Zahlungs-
mittel anerkannt, schließlich deren Münzeinheit, den Dollar oder das
Pfund Sterling, ihrer Währung zugrunde gelegt. Andere Staaten in
Südamerika haben die Francswährung beibehalten; zu diesen ge-
hören:
Venezuela: Münzeinheit der Bolivar (= 1 Franc) zu 100 Cen-
tavos; es werden Gold- und Silbermünzen wie in Frankreich geprägt,
das 5-Bolivar-Stück aus Silber (Venezolano oder Peso fuerte) wird nur
bis 500 Fes. in Zahlung genommen. Häufig rechnet man noch in der
alten Münzeinheit: 1 Peso Macuqwino zu 8 Reales = 100 Centimos
= 4 Bolivares. Die bedeutendste Notenbank ist der Banco di Vene-
zuela, der auch die Steuergelder verwaltet, Drei andere Notenbanken
Banco di Caracas, Banco de Maracaibo, Banco Comercial de Mara-
1) Notenmaximum 1300 Millionen Frances.
2?) Piaster ist der spanische, Dollar der anglo-amerikanische Abkömm-
ling des alten Silbertalers. Der spanische Piaster oder Duro, in Amerika
Peso genannt. wurde in 8 Reales zu 2 Medios zu 2 Cuartillos eingeteilt.