Full text: Die Technik des wirtschaftlichen Verkehrs

240 DIE TECHNIK DES WIRTSCHAFTLICHEN VERKEHRS 
6. DAS EFFEKTENGESCHÄFT 
Das Effektengeschäft im engeren Sinne hat den An- und 
Verkauf von Effekten für eigene Rechnung der Bank zum Gegen- 
stand. Die Veranlassung hiezu wird verschieden sein. Zunächst 
kann die Bank einen Teil der eigenen oder fremden Gelder in 
Effekten anlegen, um sich ein dauerndes Zinsen- und Dividenden- 
erträgnis zu verschaffen; eine solche Verwendung der Bankmittel 
ist der ursprüngliche und hauptsächliche Zweck der sogenannten 
Trust companies oder Treuhandgesellschaften in England und Ame- 
rika (siehe unten); aber auch Sparkassen und Depositenbanken 
legen einen Teil der in den Passivgeschäften empfangenen Gelder 
in Wertpapieren an. Eine weitere Veranlassung zu Effektengeschäften 
ergibt sich aus Gründungen von Aktiengesellschaften, Kapitals- 
erhöhungen und überhaupt aus dem Finanzierungsgeschäft, indem 
die Bank einen Teil der ausgegebenen Effekten selbst kauft oder 
übernehmen muß, wenn sie die Abnahme sämtlicher Stücke garantiert 
hat; auch wird die Bank bei der Durchführung eines Finanzierungs- 
geschäftes sowie überhaupt bei Papieren von Gesellschaften, die 
zu ihrem Konzern gehören, unter Umständen Stützungsaktionen 
vornehmen und größere Posten aus dem Markte nehmen. Schließlich 
kann die Bank mit dem Effektengeschäft auch reine Spekulations- 
zwecke verfolgen. 
Als Effektengeschäft im weiteren Sinne. bezeichnet man alle 
Manipulationen, die mit Effekten zusammenhängen, wie der kom- 
missionsweise Ein- und Verkauf von Effekten, die Abtrennung und 
Einkassierung der Kupons, die Besorgung neuer Kuponbogen, die 
Einlösung von Kupons, für die die Bank Zahlstelle ist, und andere 
mit dem Depositen- oder Kommissionsgeschäft zusammenhängende 
Arbeiten. 
7. DIE ARBEITSTEILUNG IM BANKGESCHÄFTE 
Es liegt im Wesen der Kreditvermittlung, daß eine Bank nicht 
alle eben besprochenen Kreditgeschäfte gleichzeitig betreiben kann; 
denn die Bank kann nur „den Kredit geben, den sie‘ nimmt‘, das 
heißt langfristige Aktivgeschäfte haben, sollen nicht eigene Mittel 
testgelegt werden, wieder langfristige Passivgeschäfte zur Voraus- 
setzung und ebenso bedingen kurzfristige Aktivgeschäfte wieder 
kurzfristige Passivgeschäfte. Schließlich wird auch die Art der 
Deckung bei den entgegenstehenden Kreditgeschäften vielfach mit- 
einander in Übereinstimmung gebracht werden. Aus diesem -wich- 
tigsten Grundsatz, von dessen Befolgung die Liquidität einer Bank 
in erster Linie abhängt, ergibt sich eine natürliche Arbeitsteilung
	        
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