264 DIE TECHNIK DES WIRTSCHAFTLICHEN VERKEHRS
sogenannte Schranken oder das Parkett; er ist durch Schranken
abgegrenzt und hat gewöhnlich eine längliche Form, an französischen
und italienischen Börsen ähnelt er zuweilen den Konturen eines
Korbes und heißt daher Corbeille. Nicht selten sind an den Außen-
seiten dieses Schrankens Pulte angebracht, die Schrankenplätze,
die von den größeren Bankfirmen des Platzes gemietet werden
(Schrankenfirmen). Im übrigen, größeren Teil des Saales bewegen
sich die anderen Börsebesucher (Händler oder Kulissiers, Agenten,
Angestellte). An den Effektenbörsen haben in diesem Teile die von
der Börseleitung bezeichneten Effekten (daher auch Kulissewerte
genannt) ihre durch den Gebrauch bestimmten Plätze, an denen sie
ständig ohne Vermittlung eines Maklers gehandelt werden; man
bezeichnet diese Plätze mit Kulissen und spricht von einer Kredit-
aktienkulisse, Alpinenkulisse usw. Kulissen sind freie Versteigerungs-
märkte unter der Leitung eines hiezu bestimmten Börseagenten.
und unter der Kontrolle der Öffentlichkeit; nur die Abschlüsse in
der Kulisse, die laut und vernehmlich abgeschlossen werden, wer-
den anerkannt. Für den Verkehr in der Kulisse eignen sich Pa-
piere, die häufig umgesetzt werden und für die Arbitrage internatio-
nale Bedeutung besitzen, für die die Einrichtung des Schranken-
verkehres zu umständlich und kostspielig wäre (s. auch S. 268). Im
Schranken wickelt sich das Geschäft in den den Maklern vorbehal-
tenen Effekten ab (Schrankenwerte). An kleineren Börsen ist der
gesamte Verkehr als Versteigerungsmarkt organisiert in dem so-
genannten Ring, einem kreisförmig abgegrenzten Raum, um den
die Interessenten versammelt sind; im Ring notiert der Schreiber
die Abschlüsse (Zürich, Marseille u. a.). An den größeren Effekten-
börsen (eine Ausnahme bildet die Pariser Börse) hat sich eine oft
weitgehende Spezialisierung entwickelt, indem sich die Börsebesucher
mit dem Handel oder der Vermittlung eines Papieres oder einer be-
stimmten Gruppe von Effekten mehr oder weniger ausschließlich
befassen. An den Warenbörsen ist diese Spezialisierung naturgemäß
noch mehr ausgebildet. Die Interessenten eines Börseartikels sind
nicht selten in Vereinigungen organisiert, so in Hamburg die Ver-
eine der am Kaffeehandel, am Zuckerhandel, am Baumwollhandel
usw. beteiligten Firmen. Diese Vereinigungen bestimmen oder be-
einflussen die Börseusancen und Schiedsgerichtsregeln des betreffen-
den Artikels und wirken auch sonst auf den Handel in demselben
ein. An den englischen und amerikanischen Warenbörsen üben die-
sen Einfluß in weitgehendem Maße die Brokers associations aus.
Eine charakteristische Einrichtung an englischen und amerikani-
schen Warenbörsen ist der Public Call oder kurzweg Call. Ein
häufig uniformierter Angestellter der Börse, der Caller, ruft von
einem erhöhten Standpunkt aus die ihm von den Börsebesuchern