IX. MARKTORGANISATIONEN _ 5
zugemittelten Kaufanbote (bids) und Verkaufsanträge (offers) nach
Termin, Menge und Preis aus; die Interessenten, die sich um ihn
versammeln oder (wie an der Coal exchange in. London) auf amphi-
theaterartig aufgebauten Bänken sitzen, bieten mit, so daß der Markt
unter der Leitung des Caller steht und mehr oder weniger die Form
einer Auktion annimmt.
Die Börsekurse sollen ein verläßliches und möglichst voll-
ständiges Bild des Börseverkehrs geben, ihre einwandfreie Fest-
stellung ist besonders für das außenstehende Publikum als Kon-
trolle der Ausführung von Börseorders und zur Beurteilung der
Marktlage, schließlich als Basis für viele Rechtsgeschäfte wichtig.
Man unterscheidet variable oder Einzelkurse und Einheitskurse.
So pflegt man an den englischen und amerikanischen Effektenbörsen
alle vorgefallenen Abschlüsse zu registrieren und deren Kurse zu
veröffentlichen. Vielfach beschränkt man sich darauf, nur jene
Abschlußkurse zu registrieren, die den Verlauf des Marktes kenn-
zeichnen, sogenannte Schwankungs- oder Richtungskurse (wie die
Comptantkurse an den Effektenbörsen in Paris und Zürich) oder
höchster und niedrigster Kurs, von... bis... u.ä. Gegenüber die-
sen Einzelkursen stellen die Einheitskurse Durchschnittswerte
dar, die auf Grund der vorliegenden Kauf- und Verkauforders in der
Weise festgestellt werden, daß hiedurch alle Bestens-Orders und die
größtmögliche Anzahl der limitierten Aufträge zur Ausführung ge-
langen. Solche Einheitskurse sind z. B. die Anfangs- oder Eröff-
nungskurse in den Kulissewerten; zumeist sind sie aber für
Schrankenwerte üblich. Für diese erfolgt die Feststellung in der
Regel nach Schluß des Börseverkehres und erst auf Grund dieser
Feststellung findet der endgültige Abschluß des Geschäftes statt.
Solche Feststellungen können in stärker gehandelten Börsewerten
auch mehrmals während der Börsezeit vorgenommen werden (so-
genannter „fließender Schranken‘). An den mitteleuropäischen Börsen
begnügt man sich nicht mit der Festsetzung der Schlußkurse, son-
dern sucht auch die Marktlage durch entsprechende Zusätze dar-
zustellen. So bezeichnet an den deutschen Börsen der Zusatz G
(Geld), daß nur Nachfrage nach dem betreffenden Papier vorhanden
War, ein beigefügter Kurs ist der höchste vergebens angebotene Kurs;
B (Brief, in Wien W, Ware) hingegen zeigt nur Angebot an, der
beigesetzte Kurs ist das niedrigste Angebot; die Zusätze bz. G.
und bz. B geben an, daß ein Teil der Aufträge ausgeführt werden
konnte, daß aber Kaufaufträge (G), bzw. Verkaufsaufträge (B) un-
erledigt bleiben mußten; hbz. bezeichnet einen Kurs, zu dem
alle Aufträge ausgeführt werden konnten. An manchen Börsen wer-
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