62 DIE TECHNIK DES WIRTSCHAFTLICHEN VERKEHRS
gestellt sein mußte. Wurden diese Bedingungen nicht erfüllt, so verfiel
der Aussteller schweren Strafen, die Einlösung des Schecks ging zu Lasten
des Bankiers; die Übertragung an Dritte war verboten. Die Banken gestatteten
die Ziehung von Schecks nur bis zum Mindestbetrage von 5 £ gegen hohe
Provision (die Bank of England rechnete für jeden Scheck 6 d) und bis
zum Jahre 1854 waren Schecks unter 1 £ gesetzlich verboten. Erst im
Jahre 1858 wurde der Scheckstempel auf 1 Penny herabgesetzt.
Seither hat der Giroverkehr außerordentlich zugenommen und ist in
alle Bevölkerungsschichten gedrungen. Der Scheck ist zum nationalen Zahlungsmittel
geworden, selbst kleine Zahlungen werden mittels Schecks geleistet.
Bei der ungeheuren Menge von Schecks ist es unmöglich, jeden
präsentierten Scheck auf seine Echtheit und Deckung zu prüfen, der Kassier
muß vielmehr über die Girokontoinhaber und ihre Guthaben so viel Übersicht
besitzen, daß er den Scheck sofort auszuzahlen vermag. — Vor dem
Kriege ist der tägliche Scheckverkehr in London auf 35 Millionen Pfund
geschätzt worden. Im Jahre 1919 wurde der Scheckstempel auf 2 d erhöht.
Die Träger dieses ausgedehnten Giroverkehrs sind die großen
Depositenbanken.
Das Wechselgesetz vom Jahre 1882 definiert den Scheck wie
folgt: 4 check is a bill of exchange drawn on a Banker payable on
demand. Daher finden auch alle wechselrechtlichen Bestimmungen
auf den Scheck Anwendung. Doch nimmt das britische Recht auf
Grund des Kontokorrentverhältnisses zwischen Bankier und Kunden
an, daß jener verpflichtet ist, die vom Kunden auf ihn gezogenen
Schecks bis zur Höhe des jeweiligen Guthabens zu honorieren.
Eine besondere Einrichtung ist das Crossing des Schecks j ZWischen
zwei diagonal auf der Vorderseite gezogenen parallelen Linien
wird entweder der Name des Bankiers (special crossing) oder bloß
„and company‘ (general crossing) geschrieben und bewirkt, daß der
Scheck nur an den benannten Bankier oder (beim general Crossing)
überhaupt an einen Bankier ausgezahlt werden darf. Da die englischen
Bankiers ihre Schecks nicht in barem einkassieren, sondern
im Clearinghowse abrechnen, ist ein gefundener oder gestohlener
crossed. Check für den unredlichen Besitzer wertlos. Die Bank, an
die der crossed Check eingeliefert werden muß, wird nach englischem
Recht überdies nicht als Eigentümerin, sondern als Beauftragte
angesehen und ist daher zum Ersatz eines allfälligen Schadens
nicht verpflichtet. Die Übertragung eines crossed Check gilt
als Zession.
Eine weitere Sicherung wird erreicht durch die Worte: „Not
negotiable‘, die man zwischen die Kreuzungslinien setzt. Sie bewirken,
daß der Empfänger kein besseres Recht hat als der Vorbesitzer;
wird daher ein solcher Scheck gestohlen, so kann derjenige,
der ihn vom Dieb erwirbt, keine Ansprüche geltend machen.
Schecks müssen innerhalb einer angemessenen Zeit zur Zah-