64 DIE TECHNIK DES WIRTSCHAFTLICHEN VERKEHRS
gegenseitigen Schulden und Forderungen nicht durch Barzahlung,
sondern im Wege der Kompensation auszugleichen.
Der Clearingverkehr ist somit ein zentralisierter Zahlungsver-
kehr; er vergrößert die Möglichkeit gegenseitiger Kompensationen
und bewirkt, daß ein großer Teil der Zahlungen ohne Bargeld durch-
geführt werden kann. Jede Bank ermittelt täglich den Saldo, der
sich aus diesen Kompensationen mit jedem der anderen Mitglieder
des Clearingverkehres ergibt; aber auch diese Saldi werden nicht
in barem beglichen, sondern auf‘die Girokontos übertragen, die jedes
Mitglied bei der Zentralstelle des Clearingverkehres besitzt.
Auf diese Weise bewirkt der Clearingverkehr eine ganz be-
deutende Ersparnis an barem Geld, eine Vereinfachung des ge-
samten Zahlungsverkehres und damit einen geringeren Zeit- und
Arbeitsaufwand.
Die Entwicklung des Clearingverkehres beginnt mit der Er-
richtung des Bankers Clearinghouse in London im Jahre 1775;
mehrere Londoner Bankiers verpflichteten sich damals, ihre fäl-
ligen, bzw. auf Sicht lautenden Papiere, wie Wechsel, Anweisungen;
Schecks, nicht in ihren Geschäftslokalen zur Zahlung zu präsentieren,
sondern. zur Ausgleichung ihrer gegenseitigen Forderungen im Clea:
ringhouse täglich abzurechnen. Heute gehören 10 Teilnehmer dem
Londoner Clearinghouse an; jeder derselben hat seinen alphabetisch
angeordneten, festen Standort vor einem Schreibpulte. Das Vor-
mittag-Clearing beginnt um 91/» Uhr; die Vertreter ‚der Clearing-
banken, die Papiere einzukassieren haben, legen sie auf die Pulte
derjenigen die zu zahlen haben; diese notieren sich die Papiere
im In-Clearing-Buch und schicken sie an ihre Anstalt zur Prüfung.
Es werden drei Clearings abgehalten: das Town-Clearing für die Pa-
piere der Citybanken, das Metropolitain-Clearing für die übrigen
Londoner Banken und das Country-Clearing für die auf Provinz-
banken gezogenen Papiere. Um 4 Uhr beginnt die Abrechnung;
der Vertreter jeder Clearingbank einigt sich mit den übrigen auf
Grund der erfolgten und inzwischen geprüften Einlieferungen über
die nach Kompensierung ihrer gegenseitigen Forderungen verblei-
benden Saldi und zeigt sie dem Vertreter der Bank von England
(der Zentralstelle) an; diese überträgt die Saldi auf die Girokontos
der einzelnen Clearingbanken.
Die stärksten Umsätze sind am 4. jedes Monats, weil hier die ultimo
fällig gewesenen Wechsel ins Clearing kommen, ‚und an den Abrechnungs-
tagen (Settling days) der Fondsbörse, das ist einmal monatlich für die
englischen Staatspapiere (Consols Settling day) und medio und ultimo für
die übrigen Effekten.
Im Deutschen Reich wird der Abrechnungsverkehr von
30 Abrechnungsstellen in den größeren Städten besorgt, wobei die