84 DIE TECHNIK. DES WIRTSCHAFTLICHEN VERKEHRS
In der Union werden convertible preferred stocks ausgegeben, die
über Verlangen des Besitzers in common stocks umgebildet werden
können, Das Umtauschrecht ist gewöhnlich zeitlich nicht beschränkt
und soll den Investors, z. B. bei Industriegesellschaften mit sehr
schwankenden Gewinnaussichten oder bei Sanierungen von Eisen-
bahngesellschaften, jedmögliche Chance bieten.
In England pflegt man auch ordinary shares in preferred und
deferred shares zu gliedern, um sowohl Anlage- wie Spekulations-
zwecken entgegenzukommen. Die preferred gehen bei der Gewinn-
verteilung den ordinary shares vor; um dieses Plus der preferred
werden die deferred gekürzt; wenn z. B. die ordinary 5% erhalten,
so entfallen auf die preferred ordinary shares 6% und auf die
deferred ordinary shares nur 4%. Diese dienen Spekulativzwecken,
jene sind Anlagepapiere.
Eine besondere Art von Anteilen sind die Gründeraktien,
founders oder promotors shares, die den Gründern einer Aktiengesell-
schaft für die bei dieser Gründung geleisteten Dienste ausgefolgt
werden. Sie enthalten oft besondere Vorrechte?) oder sind den
Stammaktien gleichgestellt. Management oder Manager shares wer-
den an Direktoren und andere leitende Persönlichkeiten gegeben, um
diese an dem Erfolge des Unternehmens zu interessieren. Häufig
sichert sich die Gesellschaft beim Ausscheiden dieser Personen das
Rückkaufrecht zu einem bestimmten Kurse. Manager shares sind
ebensowenig wie Gründeraktien Kapitalsbeteiligungen. Die bei Sach-
(Mations-)gründungen als Entgelt für die eingebrachten Sachwerte ge-
gebenen Aktien werden als Apportaktien, in England als vendors
shares bezeichnet. Sie sind zumeist den Stammaktien gleichgestellt,
reihen aber atch nach diesen; bei Zuzahlungen der Sachgründer
können sie auch Vorzugsaktien sein.
Häufig ist ein Mindestbetrag für die Aktie festgesetzt; so in
Deutschland 1000 M ($ 180 DHGB.), in Österreich 10 S, nach dem
Goldbilanzgesetz vom 4. Juni 1925 für neu ausgegebene Aktien 5058.
In England und in der Union besteht eine solche Beschränkung nicht,
so daß auch Aktien mit einem Nennbetrag von 2 s und weniger und
1 Dollar ausgegeben werden.
Erhöhung des Aktienkapitals. Sie erfolgt durch Ausgabe
neuer Aktien und bedeutet daher eine Änderung des Statutes; die
neuen Aktien sind entweder wieder Stammaktien, die gewöhnlich als
„Junge“ Aktien bezeichnet werden, oder Vorzugsaktien. Die Erhöhung
des Aktienkapitals durch Stammaktien hat in Deutschland, Öster-
20) Z. B. auf den gesamten Gewinnrest, der nach Ausschüttung einer
limitierten Vorzugsdividende und einer Superdividende an die Stammaktionäre
verbleibt; oder bei späteren Aktienemissionen die Zuteilung zum Parikurs.