Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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des  Boykotts  ins  endlose  ganz  und  gar  nicht  im  Interesse  der  Arbeiterbewegung ­
  gelegen  sei,  und  warnten  davor,  den  Einbläsereien  der  an  der
Fortsetzung  des  Boykotts  interessierten  Geschäftsleute  Glauben  zu  schenken.
Etwas  später  erklärte  Friedrich  Engels  in  einem  Brief,  den  der  „Vorwärts"
im  Auszug  abdruckte,  die  englischen  Arbeiter  würden  bis  an  die  Decke  der
Paulskirche  springen,  wenn  sie  einen  Arbeitsnachweis  zugebilligt  erhielten,
wonach  Unternehmer  die  Abweisung  eines  ihnen  vom  Nachweis  zugesandten
Arbeiters  vor  einem  Schiedsgericht  zu  rechtfertigen  hätten.  In  dreizehn
von  den  sechzehn  Versammlungen  schlugen  denn  auch  die  Gründe  der
Boykottkommission  durch,  mit  meist  überwältigend  großen  Mehrheiten  wurden
die  Friedensabmachungen  gutgeheißen,  und  in  der  Nummer  des  „Vorwärts"
vom  29.  Dezember  ward  das  Ende  des  Bierboykotts  mit  folgender  Bekanntmachung ­
  angezeigt:
„Auf  Grund  der  in  den  gestrigen  Volks-Versammlungen  gefaßten
Beschlüsse  ist  der
Bierboykott  für  Berlin  und  Amgegend  aufgehoben.
Parteigenossen!  Nach  achtmonatlichem  Ringen  hat  der  uns  durch
das  Anternehmertum  aufgezwungene  Kamps  einen  für  uns  höchst  ehrenvollen ­
  Abschluß  gefunden.  Dieser  Ausgang  ist  einzig  der  kraftvollen
Tätigkeit  der  organisierten  Arbeiter  Berlins  zu  danken,  ohne  deren
unermüdliche  Arbeit  und  hingebenden  Opfermut  es  nicht  möglich  gewesen
wäre,  den  Boykott  so,  wie  geschehen,  durchzuführen  und  zu  beenden.
Genossen!  Wir  halten  uns  für  verpflichtet,  allen,  die  uns  in  diesem
Kampfe  so  erfolgreich  unterstützt  haben,  im  Namen  der  Partei  hierfür
zu  danken.  Wir  haben  die  Aberzeugung,  daß,  wenn  ähnliche  Kämpfe  in
Zukunft  notwendig  werden  sollten,  die  Berliner  Arbeiter  in  gleicher
Weise  ihre  Pflicht  tun  werden,  um  die  Ehre,  die  Würde  und  die
Interessen  der  Arbeiterklasse  zu  wahren.
Loch  die  Sozialdemokratie!
Berlin,  den  29.  Dezember  1894.
Die  Boykottkommission.
Gumpel.  Lilpert.  Mattutat.  Millarg.  Singer."
Nachträglich  fand  die  Friedensabmachung  auch  in  den  Wahlkreisen
und  Orten  Annahme,  wo  die  Abstimmung  vertagt  worden  war  oder  ein
negatives  Resultat  ergeben  hatte.  In  Rixdorf,  dem  Ort,  wo  der  Boykott
seinen  Anfang  genommen  hatte,  hing  man  am  zähesten  an  ihm.  In  der
auf  den  30.  Dezember  anberaumten  Fortsetzung  der  Versammlung  vom
28.  Dezember  ging  es  fast  noch  stürmischer  her,  als  am  ersten  Abend.
Aber  die  Argumente  von  Singer,  Auer  und  Lilpert  zugunsten  des  Beschlusses ­
  der  Boykottkommission  und  die  scharfe  Zurückweisung,  welche  sie
den  gegen  sie  ausgestreuten  Verdächtigungen  zuteil  werden  ließen,  bestimmten
auch  hier  schließlich  die  Mehrheit  der  Genossen,  der  Beendigung  des  Kampfes
zuzustimmen.
Damit  war  die  Opposition  gegen  die  Friedensabmachung  freilich  noch
nicht  völlig  zum  Schweigen  gebracht.  Namentlich  bei  den  sozialdemokratischen
Gastwirten  war  sie  noch  sehr  stark,  ebenso  bei  den  Brauergesellen,  die
zu  den  Ausgesperrten  gehört  hatten.  In  ihrem  Zorn  versäumten  diese  es,
sich  die  Karten  zur  Wahl  des  Kuratoriums  des  neuen  Arbeitsnachweises
zu  besorgen,  und  klagten  hinterher,  daß  die  Friedensbedingungen  nicht  eingehalten ­
  worden  seien.  Erst  als  eine  von  der  Gewerkschaftskommission  ver-
            
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