Ist also immerhin eine beträchtliche Besserste ne des Ahern
kanischen Arbeiters gegenüber dem deutschen Ser Zweifel, Ze
kann man weiter die Frage erheben, ob dies Ka N ss il
Amerika eine gerechtere Verteilung des Natiorlaleinkomm iS be®
stehe als anderswo. Das ist offenbar nicht def Fall. Schon ar
Anfang unserer sozialen Betrachtung haben wir da auf hingewiesen
welch grosser Teil des nationalen Gesamteinkommöns zum Obi
des Glückspiels wird mit der Wirkung, dass sich grosse gen
in wenigen Händen anhäufen, und wie ausserdem (was volkswirt-
schaftlich offenbar schwerer wiegt) das grosse Nationaleinkommen
zahllose Zwischenexistenzen schafft in allen Sphären der Händler-,
Agenten- und Spekulantenbetätigung. Wie kommt es, dass die
Kohle auf dem inneren Markt der Vereinigten Staaten nicht billiger
ist als bei uns, trotzdem wir zu ihrer Gewinnung viele Hunderte
von Meter in die Erde hinabsteigen müssen, während man sie dort
von der Oberfläche kratzt? Und warum sind zahlreiche Nahrungs-
mittelarten, die der Boden in reicher Fülle und ohne viel Mühe
und Arbeit zu fordern abwirft, oft noch um einiges teurer,
selten aber billiger als hierzulande? Der Farmer selbst be-
reichert sich an ihnen nicht, er wird vielmehr, ebenso wie der
Arbeiter der Industrie und andere Lohnarbeitende, von seinen
Zwischenhändlern und Börsianern an ein Existenzniveau gekettet,
das eben noch den Anreiz bietet, dass er seinen Boden bestellt.
Der Rest des Ertrages fliesst in die Taschen unproduktiver, aber
stets emsiger und überall gegenwärtiger Geschäftemacher.
Mit den Löhnen in der Industrie verhält es sich ebenso. In ver-
schiedenen nationalökonomischen Werken wird die Produktions-
steigerung pro Arbeiter im Gesamtdurchschnitt einer Reihe der
wichtigsten Industrien in dem Jahrzehnt zwischen 1909 und 1919
übereinstimmend auf 30 Prozent angegeben, und der Staatssekretär
des Arbeitsdepartements schrieb, dass in derselben Zeit die Roh-
eisenförderung pro Mann von 671 auf 1179 Tonnen gestiegen sei.
In der gleichen Zeit ist der Reallohn der Arbeiter wenn überhaupt
so nur um weniges gestiegen. Die Angaben hierüber gehen sehr
weit auseinander, wie es überhaupt schwierig ist, Reallöhne mit
einiger Fxaktheit festzustellen. Sicher ist aber, dass auch in jenem
Lande die Reichtumsvermehrung dem Arbeiter erst in letzter Linie
und nur zu einem geringen Teil zugute kam. Man mag im Hinblick
auf die Empfänger der höchsten Arbeitslöhne von einer „Arbeiter-
aristokratie“ sprechen. Sie sind es im Vergleich zu den anderen
Arbeitern des Landes, deren Löhne in grossem Abstand zu den
ihrigen stehen, und sie sind es insbesondere, verglichen mit ihren
Berufskollegen in anderen Ländern, zum Beispiel dem unsrigen.
Das wissen auch ihre Unternehmer und sagen es ihnen bei jeder
Gelegenheit. In Chicago wie in Milwaukee haben uns Arbeiter
197